«Fondation Beyeler» Basel: Im Gespräch mit Assistenzkuratorin Laura Wilde
Laura Wilde ist Assistenzkuratorin in der «Fondation Beyeler». Im Gespräch erzählt sie uns mehr über ihre vielfältige Tätigkeit und den Museumsalltag.
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Liebe Laura, bitte beschreibe dich in 3 Worten.
Empathisch, interessiert, unvoreingenommen (ich versuche es zumindest).
Was ist dein Tätigkeitsbereich in der «Fondation Beyeler»?
Ich bin Assistenzkuratorin. Hier fällt es mir schwer, nicht zu ausschweifend zu werden, weil mein Tätigkeitsbereich ziemlich breit gefächert ist. Der Bereich umfasst Arbeiten, die mit der Ausstellungskonzeption- und Planung zu tun haben, aber auch mit der Inventarisierung und Betreuung von Sammlungswerken. Von administrativen und organisatorischen Arbeiten, über inhaltliche Arbeit wie Recherche und Texte schreiben. Ein kuratorisches Büro besteht aus der Kuratorin und der Assistenzkuratorin. Ich bin die Assistentin von Theodora Vischer, der Chefkuratorin am Haus. Im kuratorischen Büro entsteht das Konzept einer Ausstellung. In dieser Phase recherchieren wir viel und eignen uns viel Wissen an. Nach und nach machen wir eine Werkliste von Werken, die wir für die Ausstellung anfragen, was viel Vorlaufzeit benötigt. Die nächsten Schritte beinhalten, dass wir alle weiteren Teams des Museums mit ins Boot holen. Wir planen den Inhalt des Katalogs (Autor*innen finden, Texte schreiben), der in Zusammenarbeit mit der Publikationsabteilung entsteht, wir tauschen uns mit den Restaurator*innen aus, um zu sehen, welche Präsentationsarten der Werke überhaupt möglich sind (z.B. wie viel Licht in einem Raum sein darf). Mit der Eventabteilung arbeiten wir zusammen, um Veranstaltungen im Rahmen der geplanten Ausstellung zu planen. Wir sind Dreh- und Angelpunkt einer Ausstellung und sind im Austausch mit allen anderen Bereichen des Museums. Dazu kommen alltägliche administrative Aufgaben und Arbeiten im Museum, wie z.B. Rundgänge.
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Wie war dein allererster Arbeitstag im Museum?
Ich kann mich leider nicht an den Ablauf des ersten Arbeitstags erinnern. Ich erinnere mich an das Gefühl von Vorsicht und Nervosität, mit dem ich anfing, das sich aber nach wenigen Tagen schon gelegt hatte, weil viele tolle Menschen hier arbeiten, die mich mit offenen Armen empfangen haben.
Beschreibe die idealen Fähigkeiten für deine Tätigkeit in 3 Worten.
Strukturiert, kunstliebend, kreativ.
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Welche Ausbildung braucht man, wenn man deinen Job machen will?
Ich habe Kunstgeschichte im Master an der Uni Basel studiert. Im besten Fall hat man Kunstgeschichte studiert oder auch Curatorial Studies. Aber auch mit einem anderen Studienabschluss kann man über Kunst Know-How, Vernetzung und Arbeitserfahrung an diesen Job kommen.
Wem würdest du deinen Job weiterempfehlen und warum?
Ich würde den Job Menschen empfehlen, die Kunst lieben und sich intensiv und über mehrere Monate oder gar Jahre hinweg in ein bestimmtes Thema vertiefen können. Wenn Du eigene Ideen mitbringst, aber auch strukturiert arbeiten und vorausplanen kannst, bist Du hier richtig. Zudem muss man es mögen projektbasiert zu arbeiten. Das heisst, es gibt Phasen, in denen viel Stress und Überstunden anstehen, aber dann auch wieder Phasen, in denen es ruhiger ist. Die paar Monate vor der Ausstellung sind dabei die intensivsten Phasen, weil dann alle Deadlines zusammenkommen (z.B. der Ausstellungskatalog, die Planung der Installation der Kunstwerke, alle Einladungen für die Events müssen stehen). Auch die Aufbauphase ist sehr eng getaktet.
Was machst du ausserhalb deiner Arbeit?
Ich treffe mich häufig mit Freund*innen, um zusammen tanzen oder an Konzerte zu gehen. Musik löst in mir sehr ähnliche Gefühle aus wie Kunst. Sie inspiriert und berührt mich.
Wenn ich dann auch mal Zeit mit mir selbst verbringe, male oder zeichne ich am liebsten. Selbst kreativ zu arbeiten, bringt mich in eine Entschleunigung, die mir sehr guttut.
Wo in Basel verbringst du am liebsten deine Freizeit?
Wenn ich mit anderen unterwegs bin, sieht man mich am häufigsten in der KaBar oder im Hirscheneck. Ich gehe aber auch an andere Orte, meistens im Kleinbasel.
Wenn ich alleine unterwegs bin, bin ich am liebsten irgendwo am Rheinufer oder in einem Museum oder Ausstellungsraum.
Wenn du in einem Kunstwerk aus der Sammlung der Fondation Beyeler leben könntest, welches wäre dein Zuhause und warum?
Ich wäre eine Kreatur in der sumpfigen Landschaft von Max Ernst’s «Sumpfengel» (1940). Bereits lange bevor ich hier gearbeitet habe, hat dieses Gemälde eine sonderbar anziehende Wirkung auf mich gehabt. Es erinnert an vertraute Traumorte und dennoch ist es die ganz eigene Welt von Max Ernst. Das Wasser ist mit dieser umwerfenden Farbigkeit einladend und doch bedrohlich. Ich glaube, es wäre ein Entdecken, Staunen und Träumen ohne Ende.
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Was ist das Lustigste, das dir jemals während der Arbeit passiert ist?
In der Sommerausstellung von 2024 hat der Künstler Carsten Höller eine Person gesucht, die für sein Kunstwerk einen Text vorlas. Das Werk war ein sich bewegendes Bett, in das man sich legen konnte und von einer Stimme in den Schlaf geredet wurde. Ich habe relativ spontan den Text für das Werk in einem Aufnahmestudio eingesprochen. Als ich mich in der Ausstellung ins Bett gelegt habe und mir selbst zuhörte dachte ich wirklich: «Das ist das Seltsamste, was ich hier bisher erlebt habe.».
Mit welcher*m Künstler*in aus der Sammlung der Fondation Beyeler würdest du gern einmal zu Abend essen und warum?
Es fällt mir sehr schwer, mich zwischen Marlene Dumas, Wolfgang Tillmans und Otobong Nkanga zu entscheiden. Vermutlich würde ich mich für Tillmans entscheiden. Ich habe ihn nie kennengelernt, allerdings habe ich ein seltsam vertrautes Gefühl, wenn ich Interviews mit ihm höre. Abgesehen davon, dass ich mich sehr zu seiner Kunst hingezogen fühle, finde ich ihn als Person sehr interessant. Ich würde ihn fragen, ob Politik und Kunst für ihn trennbar sein können und ob er denkt, dass Kunst und Künstler trennbar sein können. Nicht, dass ihm diese Fragen nie gestellt wurden, aber ich würde gerne mit ihm darüber diskutieren. Danach würde ich ihn fragen, ob er mit mir noch in einen Technoclub tanzen gehen möchte.
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Welchen Mehrwert bringen Besuchende im Museum deiner Meinung nach?
Die Besuchenden sind der Antrieb. Sie sind der Grund, warum es Museen gibt. Die Kunst lebt dadurch, dass sie angeschaut wird und sie Menschen berührt, inspiriert oder zum Nachdenken anregt. Ich frage mich: Kann sich ein Museum überhaupt Museum nennen, wenn sich keine Menschen darin befinden?
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Wenn du ein Werkzeug wärst, welches wärst du und warum?
Vermutlich wäre ich eine Schaufel. Ich bin sehr neugierig und muss die Neugier manchmal etwas zurückhalten. Wenn ich etwas wissen möchte, kann ich lange wühlen und graben. Auch wenn die Neugier für andere nervig sein kann, ist sie für meine Arbeit eigentlich nur von Vorteil. Wenn ich mich für ein Thema interessiere, kann ich tief graben.
Was ist dein absoluter Lieblingssnack, wenn der Tag mal wieder richtig anstrengend ist?
Alnatura Doppelkekse. Die gibt’s auch oft bei uns im Büro.
Wovon braucht Basel mehr, wovon weniger?
Ich würde mir wünschen, dass es in Basel mehr Orte für alternative Musik gäbe und mehr Diversität in der Clubszene zu sehen wäre.
Wie wär’s mal mit...
...zuhören anstatt zu urteilen?
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Vielen Dank an Laura für die Einblicke in ihren Alltag.
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von Johanna Stortz
am 16.03.2026
Fotos
© Helena Hoock, Levin Schneider für Wie wär's mal mit
Wer die Bilder weiterverwenden möchte, muss sich die Rechte bei Wie wär’s mal mit einholen.

Liebe Laura, bitte beschreibe dich in 3 Worten.
Empathisch, interessiert, unvoreingenommen (ich versuche es zumindest).
Was ist dein Tätigkeitsbereich in der «Fondation Beyeler»?
Ich bin Assistenzkuratorin. Hier fällt es mir schwer, nicht zu ausschweifend zu werden, weil mein Tätigkeitsbereich ziemlich breit gefächert ist. Der Bereich umfasst Arbeiten, die mit der Ausstellungskonzeption- und Planung zu tun haben, aber auch mit der Inventarisierung und Betreuung von Sammlungswerken. Von administrativen und organisatorischen Arbeiten, über inhaltliche Arbeit wie Recherche und Texte schreiben. Ein kuratorisches Büro besteht aus der Kuratorin und der Assistenzkuratorin. Ich bin die Assistentin von Theodora Vischer, der Chefkuratorin am Haus. Im kuratorischen Büro entsteht das Konzept einer Ausstellung. In dieser Phase recherchieren wir viel und eignen uns viel Wissen an. Nach und nach machen wir eine Werkliste von Werken, die wir für die Ausstellung anfragen, was viel Vorlaufzeit benötigt. Die nächsten Schritte beinhalten, dass wir alle weiteren Teams des Museums mit ins Boot holen. Wir planen den Inhalt des Katalogs (Autor*innen finden, Texte schreiben), der in Zusammenarbeit mit der Publikationsabteilung entsteht, wir tauschen uns mit den Restaurator*innen aus, um zu sehen, welche Präsentationsarten der Werke überhaupt möglich sind (z.B. wie viel Licht in einem Raum sein darf). Mit der Eventabteilung arbeiten wir zusammen, um Veranstaltungen im Rahmen der geplanten Ausstellung zu planen. Wir sind Dreh- und Angelpunkt einer Ausstellung und sind im Austausch mit allen anderen Bereichen des Museums. Dazu kommen alltägliche administrative Aufgaben und Arbeiten im Museum, wie z.B. Rundgänge.

Wie war dein allererster Arbeitstag im Museum?
Ich kann mich leider nicht an den Ablauf des ersten Arbeitstags erinnern. Ich erinnere mich an das Gefühl von Vorsicht und Nervosität, mit dem ich anfing, das sich aber nach wenigen Tagen schon gelegt hatte, weil viele tolle Menschen hier arbeiten, die mich mit offenen Armen empfangen haben.
Beschreibe die idealen Fähigkeiten für deine Tätigkeit in 3 Worten.
Strukturiert, kunstliebend, kreativ.

Welche Ausbildung braucht man, wenn man deinen Job machen will?
Ich habe Kunstgeschichte im Master an der Uni Basel studiert. Im besten Fall hat man Kunstgeschichte studiert oder auch Curatorial Studies. Aber auch mit einem anderen Studienabschluss kann man über Kunst Know-How, Vernetzung und Arbeitserfahrung an diesen Job kommen.
Wem würdest du deinen Job weiterempfehlen und warum?
Ich würde den Job Menschen empfehlen, die Kunst lieben und sich intensiv und über mehrere Monate oder gar Jahre hinweg in ein bestimmtes Thema vertiefen können. Wenn Du eigene Ideen mitbringst, aber auch strukturiert arbeiten und vorausplanen kannst, bist Du hier richtig. Zudem muss man es mögen projektbasiert zu arbeiten. Das heisst, es gibt Phasen, in denen viel Stress und Überstunden anstehen, aber dann auch wieder Phasen, in denen es ruhiger ist. Die paar Monate vor der Ausstellung sind dabei die intensivsten Phasen, weil dann alle Deadlines zusammenkommen (z.B. der Ausstellungskatalog, die Planung der Installation der Kunstwerke, alle Einladungen für die Events müssen stehen). Auch die Aufbauphase ist sehr eng getaktet.
Was machst du ausserhalb deiner Arbeit?
Ich treffe mich häufig mit Freund*innen, um zusammen tanzen oder an Konzerte zu gehen. Musik löst in mir sehr ähnliche Gefühle aus wie Kunst. Sie inspiriert und berührt mich.
Wenn ich dann auch mal Zeit mit mir selbst verbringe, male oder zeichne ich am liebsten. Selbst kreativ zu arbeiten, bringt mich in eine Entschleunigung, die mir sehr guttut.
Wo in Basel verbringst du am liebsten deine Freizeit?
Wenn ich mit anderen unterwegs bin, sieht man mich am häufigsten in der KaBar oder im Hirscheneck. Ich gehe aber auch an andere Orte, meistens im Kleinbasel.
Wenn ich alleine unterwegs bin, bin ich am liebsten irgendwo am Rheinufer oder in einem Museum oder Ausstellungsraum.
Wenn du in einem Kunstwerk aus der Sammlung der Fondation Beyeler leben könntest, welches wäre dein Zuhause und warum?
Ich wäre eine Kreatur in der sumpfigen Landschaft von Max Ernst’s «Sumpfengel» (1940). Bereits lange bevor ich hier gearbeitet habe, hat dieses Gemälde eine sonderbar anziehende Wirkung auf mich gehabt. Es erinnert an vertraute Traumorte und dennoch ist es die ganz eigene Welt von Max Ernst. Das Wasser ist mit dieser umwerfenden Farbigkeit einladend und doch bedrohlich. Ich glaube, es wäre ein Entdecken, Staunen und Träumen ohne Ende.

Was ist das Lustigste, das dir jemals während der Arbeit passiert ist?
In der Sommerausstellung von 2024 hat der Künstler Carsten Höller eine Person gesucht, die für sein Kunstwerk einen Text vorlas. Das Werk war ein sich bewegendes Bett, in das man sich legen konnte und von einer Stimme in den Schlaf geredet wurde. Ich habe relativ spontan den Text für das Werk in einem Aufnahmestudio eingesprochen. Als ich mich in der Ausstellung ins Bett gelegt habe und mir selbst zuhörte dachte ich wirklich: «Das ist das Seltsamste, was ich hier bisher erlebt habe.».
Mit welcher*m Künstler*in aus der Sammlung der Fondation Beyeler würdest du gern einmal zu Abend essen und warum?
Es fällt mir sehr schwer, mich zwischen Marlene Dumas, Wolfgang Tillmans und Otobong Nkanga zu entscheiden. Vermutlich würde ich mich für Tillmans entscheiden. Ich habe ihn nie kennengelernt, allerdings habe ich ein seltsam vertrautes Gefühl, wenn ich Interviews mit ihm höre. Abgesehen davon, dass ich mich sehr zu seiner Kunst hingezogen fühle, finde ich ihn als Person sehr interessant. Ich würde ihn fragen, ob Politik und Kunst für ihn trennbar sein können und ob er denkt, dass Kunst und Künstler trennbar sein können. Nicht, dass ihm diese Fragen nie gestellt wurden, aber ich würde gerne mit ihm darüber diskutieren. Danach würde ich ihn fragen, ob er mit mir noch in einen Technoclub tanzen gehen möchte.

Welchen Mehrwert bringen Besuchende im Museum deiner Meinung nach?
Die Besuchenden sind der Antrieb. Sie sind der Grund, warum es Museen gibt. Die Kunst lebt dadurch, dass sie angeschaut wird und sie Menschen berührt, inspiriert oder zum Nachdenken anregt. Ich frage mich: Kann sich ein Museum überhaupt Museum nennen, wenn sich keine Menschen darin befinden?

Wenn du ein Werkzeug wärst, welches wärst du und warum?
Vermutlich wäre ich eine Schaufel. Ich bin sehr neugierig und muss die Neugier manchmal etwas zurückhalten. Wenn ich etwas wissen möchte, kann ich lange wühlen und graben. Auch wenn die Neugier für andere nervig sein kann, ist sie für meine Arbeit eigentlich nur von Vorteil. Wenn ich mich für ein Thema interessiere, kann ich tief graben.
Was ist dein absoluter Lieblingssnack, wenn der Tag mal wieder richtig anstrengend ist?
Alnatura Doppelkekse. Die gibt’s auch oft bei uns im Büro.
Wovon braucht Basel mehr, wovon weniger?
Ich würde mir wünschen, dass es in Basel mehr Orte für alternative Musik gäbe und mehr Diversität in der Clubszene zu sehen wäre.
Wie wär’s mal mit...
...zuhören anstatt zu urteilen?

Vielen Dank an Laura für die Einblicke in ihren Alltag.
_
von Johanna Stortz
am 16.03.2026
Fotos
© Helena Hoock, Levin Schneider für Wie wär's mal mit
Wer die Bilder weiterverwenden möchte, muss sich die Rechte bei Wie wär’s mal mit einholen.