«Atelier Achat» Basel: Im Gespräch Carla Gysin und Timnah Sommerfeldt


Das «Atelier Achat» in Basel ist für Bilder da, genauer für Rahmungen der Bilder. Carla Gysin und Timnah Sommerfeldt erzählen uns, wie sie zum entschleunigten Beruf einer Rahmerin kamen, was sie im Leben antreibt und in welchen Basler Quartieren sie zuhause sind.


Hallo Carla Gysin und Timnah Sommerfeldt. Stellt euch kurz vor, indem ihr folgende Frage beantwortet: Wenn dein Leben ein Buchtitel wäre, welcher wäre es und warum?
Timnah: «Alice im Wunderland», weil das leben eine Wunderbox ist.

Carla: «Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins», weil es sich manchmal echt so anfühlt. Leider kann ich mich an den Inhalt des Buches nicht mehr gut erinnern.



Ihr arbeitet als Fachfrauen für Vergoldung und Einrahmung in Basel, wie seid ihr zum Beruf gekommen, was hat euch daran fasziniert?
Timnah: Ich bin eine Quereinsteigerin. Aber durch die lange Freundschaft und fast schon familiäre Verbundenheit mit Carla, bin ich durch sie zu dem Beruf gekommen. Carla hat mir über all die Jahre das Handwerk gezeigt und gelernt. Als ich zum ersten Mal das wunderschöne Atelier betrat, haben mich dieses Handwerk und der schier unerschöpfliche kreative Aspekt fasziniert.

Carla: Ganz klassisch mit 16 Jahren eine Schnupperwoche gemacht und sofort in den Beruf verliebt. Zu dieser Zeit waren allgemein Lehrstellen sehr knapp und ich musste mich noch etwas gedulden, bis ich dann bei Silvia Boss die Ausbildung machen durfte. Mit Silvia als Lehrmeisterin hatte ich Glück, sehr kreativ, im Handwerk sehr breit und frei. Das was fasziniert, sind die vielen Gestaltungsmöglichkeiten in der Oberflächengestaltung und die Tradition und Geschichte hinter diesem Handwerk. Rückblickend ist schon toll, was daraus wurde. Ich schätze die Zusammenarbeit mit Timnah seit mehr als 3 Jahren, das ist alles sehr schön.


Welchen Herausforderungen begegnet ihr bei der Arbeit und wie geht ihr damit um?
Timnah: Man sagt ja so schön, dass «Holz schafft». Man muss in diesem Beruf sehr flexibel sein, vor allem aufgrund der Materialien, mit denen wir arbeiten. Daher ist vor allem das Material, das wir benutzen, die grösste Herausforderung. Es ist aber auch immer wieder sehr spannend, wie aus solchen Prozessen neue Ideen und Techniken entstehen können.

Carla: Die grösste Herausforderung oder Anspruch liegt darin, dass Kund*innen mit ihren Rahmen am Ende glücklich sind. Bis der Rahmen jedoch fertig ist, ist eine weitere Herausforderung das Material, wie Timnah es bereits erwähnt hat. Wir arbeiten oft mit organischen Leimen und Farben. Da kann es schon sein, dass eine Vergoldung oder ein Lack länger braucht, bis es trocken ist. Dieser Beruf ist halt entschleunigt und eine Art Gegenbewegung zur heutigen schnellen Zeit.


Was macht ihr im Leben sonst so nebst der Arbeit und was inspiriert euch?
Timnah: Ich arbeite neben dem Atelier noch als DJ und bin dadurch am Wochenende viel auf Reisen oder sonst mit Musik und Musiklabels sowie Projekten beschäftigt. Wenn ich mal ein Wochenende frei habe, schalte ich gerne auf langen Spaziergängen in der Natur ab. Das alles erfüllt mich sehr.

Carla: Neben der Arbeit gibt es noch meine Tochter. Mit ihr verbringe ich die meiste Zeit und sie ist mein Antrieb. Besuche in Museen, Architektur und anderes Kunsthandwerk inspirieren mich. Doch meistens liegt die grösste Inspiration im Objekt, das gerahmt wird.



«Atelier Achat» – was ist das und weshalb der Name?
Carla: Das «Atelier Achat» bietet Rahmenkunst von Einrahmungen, Vergoldungen und Restaurationen an. Einer der letzten Schritte bei der traditionellen Polimentvergoldung ist das Polieren mit dem Achatstein. Darum: Atelier Achat. Dem Achat wird übrigens Heilwirkung nachgesagt.

Wenn «Atelier Achat» ein*e Superheld*in wäre, welche*r wäre es und warum?
Beide: Pippi Langstrumpf klein aber stark!


Welches ist die ungewöhnlichste Begegnung oder Geschichte, die ihr im Quartier eures Arbeitsortes am Blumenrain in Basel erlebt habt?
Carla: Wir befinden uns ja fast mittendrin im Zentrum von Basel in einer Werkstatt mit Rheinsicht, vis á vis das Unispital. Da passiert schon sehr viel um uns herum. Am liebsten sind uns jedoch die Begegnungen mit unseren Kund*innen. Mit ihren Bildern und Fotografien bringen sie uns auch schöne, inspirierende, lustige und teilweise auch traurige Geschichten mit und die bleiben bei uns im Atelier.


In welchem Quartier lebt ihr und was ist etwas, das ihr an eurem Zuhause und der Nachbarschaft schätzt?
Timnah: Ich wohne in Allschwil, nähe Dorf, gemeinsam mit Familie und Freund*innen. Ich schätze es, gemeinsam zu essen, den Austausch  sowie den Garten und Sommerabende.

Carla: Ich wohne seit fast 10 Jahren im Gundeli. Hier scheint alles sehr nah. In 7 Minuten bin ich mit dem Velo im Atelier, in 5 Minuten im Grünen und in 3 Minuten am Bahnhof. Zudem hat es manchmal fast einen Dorfcharakter, das mag ich als Landei.

Wie wär’s mal mit...
…einem auf Mass angefertigten Rahmen, der genau deinen Ansprüchen und dem deines Bildes entspricht? Und darf es noch etwas Blattgold dazu sein?


Vielen Dank Carla und Timnah für die spannenden Einblicke in eure Arbeit und euer Leben.


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von Ana Brankovic
am 18.03.2024

Fotos
© Ketty Bertossi für Wie wär's mal mit


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