«Atelier Pol» Bern: Im Gespräch mit Juliane und Marc


Südpol, Nordpol, «Atelier Pol»! In Bern arbeiten Juliane Wolski und Marc Zenhäusern im Bereich kreativer Konzeption und Gestaltung, was sie dabei machen und wo in Bern sie sich am liebsten aufhalten, wenn sie gerade nicht im Atelier sind, erzählen sie uns im Gespräch.


Hallo Juliane und Marc, beschreibt euch jeweils in 3 Worten.
Marc: Umtriebig, geduldig, ulkig.
Jule: Motor, Sidekick, Komplizin.

«Atelier Pol» – wie kam es dazu?
Jule: Von Berlin über Biel und Zürich in Bern angekommen habe ich Pol zusammen mit drei Freund*innen gegründet. Nach einigen Wechseln hatte ich in Marc ein Gegenüber gefunden, das meinen hohen gestalterischen Anspruch und den eigenwilligen Humor teilt. Inzwischen sind wir seit 8 Jahren erfolgreich auf gemeinsamer Pol-Expedition.

Marc: Pol war mir als (damals junger) Grafiker ein Begriff und als mich Jule nach unserer dritten Begegnung fragte, ob ich mitmischen will, hab ich meine Pläne nach Schweden auszuwandern über den Haufen geworfen und bin kurzerhand eingestiegen.


«Atelier Pol» – weshalb der Name?
Jule: Uns war wichtig, dass der eigentliche Name eine kurze, aber prägnante Buchstabenkombination ist. Pol leitet sich von lateinisch polus, «in Bewegung sein, sich drehen» und «Dreh- und Angelpunkt» ab und wir verstehen uns auch in unserem Arbeitsprozess als koordinativen Dreh- und Angelpunkt für die uns anvertrauten Projekte und alle involvierten Beteiligten. Der Zusatz «Konzeption und Gestaltung» ist uns wichtig, weil wir das Pferd gerne von vorne aufzäumen.

Marc: Pol hat sich immer als Atelier bezeichnet und nicht als Büro oder Studio. Aus unserer Sicht entsteht in einem «Atelier» etwas von Grund auf, aber mit der nötigen initialen Weitsicht.


Welche Werte in Sachen Design in der Schweiz vertretet ihr?
Marc: Wir verstehen gute Gestaltung als Handwerk, dem eine gute, pragmatische Idee voraus geht und welches durch Einfachheit überzeugt. Dem Alltagsdesign in der Schweiz fehlt es aus unserer Sicht genau so sehr an klassischem «Swiss Graphic Design» (Klarheit, grosszügiger Weissraum, Reduktion auf das Wesentliche), wie an nachhaltigem Denken.

Jule: Wir Gestalter*innen haben eine Schlüsselrolle in der Gestaltung der sozialen und ökologischen Transformation inne. Diese Rolle müssen wir uns nicht nur immer wieder selbst vergegenwärtigen, sondern auch in der Öffentlichkeit einnehmen und behaupten. Denn obwohl Gestaltung seit je her kultur- und identitätsstiftend wirkt, wird sie noch immer zu selten als gesellschaftsprägende Disziplin – die mehr als ästhetische Erlebnisse oder absatzfördernde Argumente schafft – wahrgenommen.



Wenn ihr euer Büro als Tier beschreiben müsstet, welches wäre es und warum?
Beide: Definitiv ein Corgi. Von aussen werden sie durch ihre unscheinbare Grösse und das etwas schusselige Auftreten oftmals unterschätzt. In Wahrheit sind die Vierbeiner aber überaus clevere und eigenwillige Energiebündel.

Wie sieht ein ganz normaler Arbeitsalltag im Atelier Pol aus?
Marc: Jule leitet auch noch das Ausstellungswesen an der Schule für Gestaltung Bern und Biel, deshalb ist sie oft unterwegs. Wir treffen uns gezielt im Atelier, um Konzepte und Designs zu besprechen, die wir teilweise gemeinsam, teilweise getrennt, teilweise im Ping-Pong und meist in einem kleinen Team erarbeiten. Dazu gehört immer Musik die von Chopin bis Kunzite reicht, «guter!» Humor und das eine oder andere gemeinsame Feierabendbier.


«Print ist tot, hoch lebe digitaler Conent!» Wie geht ihr als Designer*innen mit dieser Aussage im Jahr 2023 aufgrund der digitalen Möglichkeiten um?
Beide: Auch wenn Werbung und Informationsmedien sich wandeln, wird Print in Form von Packaging und Publikationen immer einen wichtigen Platz behalten. Wir konzipieren und designen digitale Produkte wie Websites genau so gerne wie wir Kunst- und Kulturpublikationen umsetzen. Ein wichtiger Punkt als Gestalter:in ist, seine Kundschaft gut zu kennen und für jedes Projekt die richtigen Kanäle zu bespielen.


Wo in Bern haltet ihr euch am liebsten auf?
Marc: Adrianos und Pyri – ich bin gerne in Gesellschafft und lerne gerne neue Leute kennen.

Jule: In einem der unzähligen Berner Offspaces.


Wovon braucht die Schweiz mehr, wovon weniger?
Mehr Qualitätsbewusstsein, schonender Umgang mit Ressourcen, Inklusion, und Weitsicht, weniger Zersiedelung, Bürokratie und Ignoranz.

Wie wär’s mal mit...
...etwas mehr Mut: get out of your comfort zone and get shit done!


Vielen Dank Juliane und Marc für das spannende Gespräch und kreative Schaffen in Bern.


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von Ana Brankovic
am 17.04.2023

Fotos
© Leila Ogbon für Wie wär's mal mit


Wer die Bilder weiterverwenden möchte, muss sich die Rechte bei Wie wär’s mal mit einholen.


















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