«Boutique Gélatine» Basel: Im Gespräch mit Mia Brunner
Die «Boutique Gélatine» ist ein einladender Schmuckladen in der Basler Altstadt, der mit hochwertigem Mode- und Silberschmuck Vielfalt lebt und allen Menschen Raum bietet, etwas Passendes und Persönliches zu finden. Gegründet von ihrer Mutter, wird der Laden von Mia Brunner mit viel Feingefühl und Aufmerksamkeit geführt. Im Gespräch erfahren wir, was es für sie persönlich bedeutet hat, die Boutique zu übernehmen, welche Rolle die sorgfältig ausgewählten Schmuckstücke und der persönliche Austausch mit den Kund*innen spielen und was es für sie heisst, in der Basler Altstadt am Spalenberg zu arbeiten.
![]()
Liebe Mia, wie würdest du dich selbst beschreiben und was ist deine grösste Macke?
Ich würde mich selbst beschreiben als offener und kommunikativer Mensch mit viel Lebensfreude. Ich mag es laut, ich mag es bunt. Meine grösste Macke ist, dass ich immer in dieser Schnelligkeit lebe und in diesem Drive und wahnsinnig Mühe habe zu bremsen und langsamer zu machen. Weil ich irgendwie alles mitnehmen möchte, was kommt und ist und intensiv leben möchte. Und ich glaube, ich muss noch mehr lernen, mehr zu entschleunigen.
![]()
«Boutique Gélatine» – Was finden wir hier und wie ist die Boutique entstanden?
Die «Boutique Gélatine» ist ein wunderschöner Laden in der Basler Altstadt am Spalenberg. Und wir verkaufen hochwertigen Modeschmuck und Silberschmuck. Das Ziel ist, für alle etwas zu haben. Also dass jeder reinkommen kann und etwas findet, was zu einem passt. Wir möchten wirklich vielseitig ansprechen und auch vielseitig Freude verbreiten können. Die Geschichte der «Boutique Gélatine» ist auch etwas, was uns wahnsinnig stolz macht. Wir sind nämlich ein Familienbetrieb in zweiter Generation. Und das hat «Mama Mia» gegründet (Lacht), also meine Mutter Christine Brunner, und das war vor 40 Jahren. Dieses Jahr haben wir unser 40-jähriges Jubiläum gefeiert. Und das ist damals entstanden, das hat sie mit ihrem damaligen Lebenspartner gegründet. Sie haben lange Grosshandel betrieben und haben Geschäfte mit den neuesten Accessoires und Schmuck beliefert. Und dann ist ihnen aufgefallen, dass ein cooles Geschäft in Basel fehlt. Damals gab es nur echte Goldschmiede mit echtem Schmuck, sozusagen. Ich mag den Ausdruck nicht, echten Schmuck. Es ist echtes Gold gemeint. Und dann war das Ziel, dass sie hier auch einen tollen Laden schaffen, wo die Leute einkaufen gehen können. Das war wirklich auch der erste seiner Art in Basel, der auch hohe Wellen geschlagen hat. Seit 40 Jahren gibt es die «Boutique Gélatine». Und auf den Namen, das werde ich ganz oft gefragt, warum «Gélatine». Der Name kommt daher, weil es etwas Formbares und Veränderbares ist, Gélatine. Es entwickelt sich weiter, man kann es formen und einfärben. Der Name bleibt in den Köpfen hängen und deshalb ist es ein guter Name.
![]()
Welche Prägungen und Werte aus der Zusammenarbeit mit deiner Mutter haben dich als Mensch besonders beeinflusst und wo gehst du bewusst eigene Wege?Ich sehe ja diesen Laden wie meine grosse Schwester, weil er war immer da. Schon als ich aufgewachsen bin, war der Laden immer da und ich habe ja wie alle Höhen und Tiefen miterlebt. Ich habe auch schon ganz früh erfahren, was Selbstständigkeit bedeutet und auch, wie hart man committed sein muss, um selbstständig sein zu können und auch zu wollen. Und das war meine Mama. Und ich glaube, das sind die Werte, die ich auch von ihr gelernt habe. Dieses harte Arbeiten und das sich ständig weiterentwickeln und nicht stehen zu bleiben und dieses Vorantreiben. Dieses Stark-Sein und sein eigener Chef zu sein und dieses auch stolz sein zu können, dass man das kann. Und das ist so viel wert.
![]()
Als sie mich gefragt hat, ob ich den Laden übernehmen wollte, habe ich ganz lange gesagt, nein, auf gar keinen Fall. Ich möchte unbedingt meinen eigenen Weg gehen. Und dann habe ich angefangen zu studieren, war aber nie glücklich mit meinem Werdegang, mit meiner Studienwahl und so weiter. Ich habe nebenbei immer im Verkauf gearbeitet. Und ich habe irgendwann gemerkt, dass ich viel lieber arbeite als studiere und dass ich auch den Verkauf und den Menschenkontakt sehr schätze. Dann hat meine Mama noch mal gefragt: «Ich gehe jetzt bald in Rente, möchtest du den Laden oder möchtest du ihn nicht?». Und dann war ganz klar, dass ich das machen möchte. Ich möchte auch nicht an diesem Ort vorbeigehen und es ist nicht mehr unser Geschäft. Ich finde, in dieser Ecke von Basel gehört die «Gélatine». Meine Mutter kann mir Tipps und Tricks geben, die auch sehr kostbar für mich sind. Aber meine Bedingung war, dass ich es machen kann, wie ich möchte und es auch zu meinem eigenen machen kann. Und deshalb habe ich es auch umgebaut, so wie es mir gefällt und es zu meinem eigenen gemacht. Ich sehe uns aber, obwohl ich jetzt die eigene Chefin bin und meine Mama bei mir angestellt ist, immer noch als Familienbetrieb. Was mich so stolz macht, ist, dass trotz Generationenwechsel die Kund*innen meiner Mama behalten konnte und auch neue Generationen hinzukamen. Es kommen von Kindern bis Menschen mit Rollator in den Laden. Jeder Mensch ist willkommen.
![]()
Welche Rolle spielen Beziehungen und Begegnungen für dich generell – beruflich wie privat?
Oh, eine ganz wichtige Frage. Ich glaube, das muss es auch, damit man gerne im Verkauf arbeitet. Und ich arbeite sehr gerne im Verkauf. Ich finde es wunderschön, dass auch jede Begegnung anders ist. Und dass man gerade im Verkauf auch auf jede*n anders eingehen kann. Ich habe vorher schon erwähnt, dass wir alles an Kunden und Kundinnen haben. Und ich genau das finde, was meinen Job so schön macht, so individuell auch macht. Dass auch kein Tag ist wie der andere. Also ich mag gerne Menschen und ich kommuniziere sehr gerne mit Menschen.
![]()
Genau so ist es im Privaten. Mein Instagram-Status ist «Consider me a social butterfly» (Lacht). Und ich glaube, genau so ist es. Natürlich gibt es auch negative Begegnungen, aber hauptsächlich sind sie positiv. Und ja, deshalb freue ich mich über jede*n Einzelne*n. Es gibt ja viele Menschen, die arbeiten und die brauchen ihre Ruhe oder sitzen halt im Büro. Und ich kann mich nicht zurückziehen. Das ist etwas, was man wirklich lernen muss, immer so exponiert zu sein. Und für alle erreichbar auch zu sein. Auch immer einigermassen parat auszusehen, weil alle vorbeikommen.
![]()
Was lernst du durch die Menschen, die zu dir kommen, über dich selbst?Bei mir kommen die Leute ja viel, um sich zu belohnen. Oder auch, wenn sie einen schlechten Tag haben und sich was Gutes tun wollen. Und was ich gelernt habe, was mich auch sehr stolz macht, ist, dass ich diese Atmosphäre schaffen kann, wo das funktioniert. Dass ich einen Wohlfühlort bieten kann und auch sein kann. Aber Kund*innen lehren mich auch Geduld.
![]()
Wie nimmst du die Atmosphäre in der Basler Altstadt wahr, was gibt dir dieser Ort?
Der Ort gibt mir super viel. Ich freue mich, jeden Morgen arbeiten zu gehen. Gerade wenn ich den Spalenberg hochlaufe, dann macht es mich wahnsinnig stolz, dort ein Geschäft zu haben. Weil ich es einfach eine wunderschöne Umgebung finde, um zu arbeiten. Und natürlich auch eine sehr gute Lage, um ein Geschäft zu haben. Ich liebe die Basler Altstadt. Die Atmosphäre, auch dieses Entschleunigte am Spalenberg, wenn man unten in der Stadt ist und dann den Berg hochgeht. Und auch dieses gezielte Lädele stattfindet, dieses Entschleunigte finde ich sehr schön am Spalenberg. Und ich liebe Basel. Ich will nirgendwo anders leben als in Basel. Ich bin hier geboren und aufgewachsen und fühle mich nach wie vor sehr wohl. Auch die Menschen nehme ich als sehr aufgeschlossen und unkompliziert wahr. Und es ist nicht zu gross, nicht zu klein.
![]()
Welche Orte in Basel sind dir ganz persönlich wichtig, weil sie dich inspirieren oder dir Kraft geben?
Gerade im Winter, wenn es kälter und dunkler wird, mag ich den Botanischen Garten und das Tropenhaus sehr als Kraftorte. Das ist, finde ich, so ein superschöner Ort in Basel, um auch kurz wieder Wärme zu tanken an kalten Tagen. Er ist so klein, fein und oft auch ruhig. Inspiration natürlich, ich muss ja auch immer kreativ sein mit dem Laden. Und darum finde ich halt auch, das in der Altstadt rumlaufen und sich die verschiedenen dekorierten Fenster angucken sehr toll. Da hole ich auch sehr viel Inspiration. Auch bei den anderen, schauen, was da so läuft. Und ich finde es auch nach wie vor schön, dass sie sehr viel auch mir geben bei den Schaufenstern. Dieses Schaufenster-Shopping in Basel mache ich sehr gerne.
![]()
40 Jahre «Gélatine Boutique» – was bedeutet so ein Jubiläum für dich als Mensch, der Teil dieser Geschichte ist?
40 Jahre machen einen natürlich wahnsinnig stolz, obwohl ich ja erst seit fünf Jahren davon Eigentümerin bin. Es macht mich wahnsinnig stolz einfach, dass das funktioniert. Seit 40 Jahren, dass wir nicht stehen geblieben sind, dass wir uns weiterentwickelt haben, dass die Leute immer noch Freude haben, zu uns zu kommen. Nach 40 Jahren steht ja meine Mama immer noch im Laden und macht das immer noch gerne, und das ist wahnsinnig. Weil ich glaube, in den letzten vierzig Jahren hat es viele Höhen und Tiefen gegeben. Und es ist ja ein stetiges Ausprobieren und Weiterentwickeln und ja, das gibt mir wahnsinnig viel. Auch hatten wir eine Party zu unserem 40-jährigen Jubiläum und da war zu sehen, dass für einen so kleinen Laden so viele Leute gekommen sind, das hat mir und meiner Mutter die Welt bedeutet. Wir waren so glücklich, dass wir gesehen werden und dass die Leute Lust haben, mit uns zu feiern. Ja, wahnsinnig stolz, also ich hoffe auf weitere 40 Jahre (Lacht).
![]()
Welche Wünsche oder Ziele hast du für dich selbst in den nächsten Jahren jenseits der Arbeit?
Ich bin ja einfach froh, wenn es so weiterläuft wie bisher. Wenn die Leute weiterhin, also vor allem die Kund*innen, weiterhin so viel Freude am Laden haben wie bisher. Und das Wichtigste ist, dass auch ich weiterhin so gerne mache wie jetzt. Konkrete Wünsche und Ziele habe ich wie keine, weil es stetig in Veränderung ist und ich mir immer wieder was Neues einfallen lasse. Aber das passiert meistens sehr, sehr spontan.
Für mich persönlich glaube ich an dieses Entschleunigen. Als Selbstständige die Work-Life-Balance zu finden. Da muss ich noch viel dran arbeiten, und das ist auch okay. Das sind meine Wünsche und Ziele: dass es den Laden gibt, aber auch eine «Mia privat».
![]()
Wie wär’s mal mit...
...lauterem und buntem Schmuck auch im Alltag?
Danke an Mia Brunner für das offene Gespräch und den ehrlichen Austausch sowie das Engagement, Leidenschaft und das Leben von echten Begegnungen.
_
von Ada Neguer
am 02.02.2026
Fotos
© Ada Neguer für Wie wär's mal mit
Wer die Bilder weiterverwenden möchte, muss sich die Rechte bei Wie wär’s mal mit einholen.

Liebe Mia, wie würdest du dich selbst beschreiben und was ist deine grösste Macke?
Ich würde mich selbst beschreiben als offener und kommunikativer Mensch mit viel Lebensfreude. Ich mag es laut, ich mag es bunt. Meine grösste Macke ist, dass ich immer in dieser Schnelligkeit lebe und in diesem Drive und wahnsinnig Mühe habe zu bremsen und langsamer zu machen. Weil ich irgendwie alles mitnehmen möchte, was kommt und ist und intensiv leben möchte. Und ich glaube, ich muss noch mehr lernen, mehr zu entschleunigen.

«Boutique Gélatine» – Was finden wir hier und wie ist die Boutique entstanden?
Die «Boutique Gélatine» ist ein wunderschöner Laden in der Basler Altstadt am Spalenberg. Und wir verkaufen hochwertigen Modeschmuck und Silberschmuck. Das Ziel ist, für alle etwas zu haben. Also dass jeder reinkommen kann und etwas findet, was zu einem passt. Wir möchten wirklich vielseitig ansprechen und auch vielseitig Freude verbreiten können. Die Geschichte der «Boutique Gélatine» ist auch etwas, was uns wahnsinnig stolz macht. Wir sind nämlich ein Familienbetrieb in zweiter Generation. Und das hat «Mama Mia» gegründet (Lacht), also meine Mutter Christine Brunner, und das war vor 40 Jahren. Dieses Jahr haben wir unser 40-jähriges Jubiläum gefeiert. Und das ist damals entstanden, das hat sie mit ihrem damaligen Lebenspartner gegründet. Sie haben lange Grosshandel betrieben und haben Geschäfte mit den neuesten Accessoires und Schmuck beliefert. Und dann ist ihnen aufgefallen, dass ein cooles Geschäft in Basel fehlt. Damals gab es nur echte Goldschmiede mit echtem Schmuck, sozusagen. Ich mag den Ausdruck nicht, echten Schmuck. Es ist echtes Gold gemeint. Und dann war das Ziel, dass sie hier auch einen tollen Laden schaffen, wo die Leute einkaufen gehen können. Das war wirklich auch der erste seiner Art in Basel, der auch hohe Wellen geschlagen hat. Seit 40 Jahren gibt es die «Boutique Gélatine». Und auf den Namen, das werde ich ganz oft gefragt, warum «Gélatine». Der Name kommt daher, weil es etwas Formbares und Veränderbares ist, Gélatine. Es entwickelt sich weiter, man kann es formen und einfärben. Der Name bleibt in den Köpfen hängen und deshalb ist es ein guter Name.

Welche Prägungen und Werte aus der Zusammenarbeit mit deiner Mutter haben dich als Mensch besonders beeinflusst und wo gehst du bewusst eigene Wege?Ich sehe ja diesen Laden wie meine grosse Schwester, weil er war immer da. Schon als ich aufgewachsen bin, war der Laden immer da und ich habe ja wie alle Höhen und Tiefen miterlebt. Ich habe auch schon ganz früh erfahren, was Selbstständigkeit bedeutet und auch, wie hart man committed sein muss, um selbstständig sein zu können und auch zu wollen. Und das war meine Mama. Und ich glaube, das sind die Werte, die ich auch von ihr gelernt habe. Dieses harte Arbeiten und das sich ständig weiterentwickeln und nicht stehen zu bleiben und dieses Vorantreiben. Dieses Stark-Sein und sein eigener Chef zu sein und dieses auch stolz sein zu können, dass man das kann. Und das ist so viel wert.

Als sie mich gefragt hat, ob ich den Laden übernehmen wollte, habe ich ganz lange gesagt, nein, auf gar keinen Fall. Ich möchte unbedingt meinen eigenen Weg gehen. Und dann habe ich angefangen zu studieren, war aber nie glücklich mit meinem Werdegang, mit meiner Studienwahl und so weiter. Ich habe nebenbei immer im Verkauf gearbeitet. Und ich habe irgendwann gemerkt, dass ich viel lieber arbeite als studiere und dass ich auch den Verkauf und den Menschenkontakt sehr schätze. Dann hat meine Mama noch mal gefragt: «Ich gehe jetzt bald in Rente, möchtest du den Laden oder möchtest du ihn nicht?». Und dann war ganz klar, dass ich das machen möchte. Ich möchte auch nicht an diesem Ort vorbeigehen und es ist nicht mehr unser Geschäft. Ich finde, in dieser Ecke von Basel gehört die «Gélatine». Meine Mutter kann mir Tipps und Tricks geben, die auch sehr kostbar für mich sind. Aber meine Bedingung war, dass ich es machen kann, wie ich möchte und es auch zu meinem eigenen machen kann. Und deshalb habe ich es auch umgebaut, so wie es mir gefällt und es zu meinem eigenen gemacht. Ich sehe uns aber, obwohl ich jetzt die eigene Chefin bin und meine Mama bei mir angestellt ist, immer noch als Familienbetrieb. Was mich so stolz macht, ist, dass trotz Generationenwechsel die Kund*innen meiner Mama behalten konnte und auch neue Generationen hinzukamen. Es kommen von Kindern bis Menschen mit Rollator in den Laden. Jeder Mensch ist willkommen.

Welche Rolle spielen Beziehungen und Begegnungen für dich generell – beruflich wie privat?
Oh, eine ganz wichtige Frage. Ich glaube, das muss es auch, damit man gerne im Verkauf arbeitet. Und ich arbeite sehr gerne im Verkauf. Ich finde es wunderschön, dass auch jede Begegnung anders ist. Und dass man gerade im Verkauf auch auf jede*n anders eingehen kann. Ich habe vorher schon erwähnt, dass wir alles an Kunden und Kundinnen haben. Und ich genau das finde, was meinen Job so schön macht, so individuell auch macht. Dass auch kein Tag ist wie der andere. Also ich mag gerne Menschen und ich kommuniziere sehr gerne mit Menschen.

Genau so ist es im Privaten. Mein Instagram-Status ist «Consider me a social butterfly» (Lacht). Und ich glaube, genau so ist es. Natürlich gibt es auch negative Begegnungen, aber hauptsächlich sind sie positiv. Und ja, deshalb freue ich mich über jede*n Einzelne*n. Es gibt ja viele Menschen, die arbeiten und die brauchen ihre Ruhe oder sitzen halt im Büro. Und ich kann mich nicht zurückziehen. Das ist etwas, was man wirklich lernen muss, immer so exponiert zu sein. Und für alle erreichbar auch zu sein. Auch immer einigermassen parat auszusehen, weil alle vorbeikommen.

Was lernst du durch die Menschen, die zu dir kommen, über dich selbst?Bei mir kommen die Leute ja viel, um sich zu belohnen. Oder auch, wenn sie einen schlechten Tag haben und sich was Gutes tun wollen. Und was ich gelernt habe, was mich auch sehr stolz macht, ist, dass ich diese Atmosphäre schaffen kann, wo das funktioniert. Dass ich einen Wohlfühlort bieten kann und auch sein kann. Aber Kund*innen lehren mich auch Geduld.

Wie nimmst du die Atmosphäre in der Basler Altstadt wahr, was gibt dir dieser Ort?
Der Ort gibt mir super viel. Ich freue mich, jeden Morgen arbeiten zu gehen. Gerade wenn ich den Spalenberg hochlaufe, dann macht es mich wahnsinnig stolz, dort ein Geschäft zu haben. Weil ich es einfach eine wunderschöne Umgebung finde, um zu arbeiten. Und natürlich auch eine sehr gute Lage, um ein Geschäft zu haben. Ich liebe die Basler Altstadt. Die Atmosphäre, auch dieses Entschleunigte am Spalenberg, wenn man unten in der Stadt ist und dann den Berg hochgeht. Und auch dieses gezielte Lädele stattfindet, dieses Entschleunigte finde ich sehr schön am Spalenberg. Und ich liebe Basel. Ich will nirgendwo anders leben als in Basel. Ich bin hier geboren und aufgewachsen und fühle mich nach wie vor sehr wohl. Auch die Menschen nehme ich als sehr aufgeschlossen und unkompliziert wahr. Und es ist nicht zu gross, nicht zu klein.

Welche Orte in Basel sind dir ganz persönlich wichtig, weil sie dich inspirieren oder dir Kraft geben?
Gerade im Winter, wenn es kälter und dunkler wird, mag ich den Botanischen Garten und das Tropenhaus sehr als Kraftorte. Das ist, finde ich, so ein superschöner Ort in Basel, um auch kurz wieder Wärme zu tanken an kalten Tagen. Er ist so klein, fein und oft auch ruhig. Inspiration natürlich, ich muss ja auch immer kreativ sein mit dem Laden. Und darum finde ich halt auch, das in der Altstadt rumlaufen und sich die verschiedenen dekorierten Fenster angucken sehr toll. Da hole ich auch sehr viel Inspiration. Auch bei den anderen, schauen, was da so läuft. Und ich finde es auch nach wie vor schön, dass sie sehr viel auch mir geben bei den Schaufenstern. Dieses Schaufenster-Shopping in Basel mache ich sehr gerne.

40 Jahre «Gélatine Boutique» – was bedeutet so ein Jubiläum für dich als Mensch, der Teil dieser Geschichte ist?
40 Jahre machen einen natürlich wahnsinnig stolz, obwohl ich ja erst seit fünf Jahren davon Eigentümerin bin. Es macht mich wahnsinnig stolz einfach, dass das funktioniert. Seit 40 Jahren, dass wir nicht stehen geblieben sind, dass wir uns weiterentwickelt haben, dass die Leute immer noch Freude haben, zu uns zu kommen. Nach 40 Jahren steht ja meine Mama immer noch im Laden und macht das immer noch gerne, und das ist wahnsinnig. Weil ich glaube, in den letzten vierzig Jahren hat es viele Höhen und Tiefen gegeben. Und es ist ja ein stetiges Ausprobieren und Weiterentwickeln und ja, das gibt mir wahnsinnig viel. Auch hatten wir eine Party zu unserem 40-jährigen Jubiläum und da war zu sehen, dass für einen so kleinen Laden so viele Leute gekommen sind, das hat mir und meiner Mutter die Welt bedeutet. Wir waren so glücklich, dass wir gesehen werden und dass die Leute Lust haben, mit uns zu feiern. Ja, wahnsinnig stolz, also ich hoffe auf weitere 40 Jahre (Lacht).

Welche Wünsche oder Ziele hast du für dich selbst in den nächsten Jahren jenseits der Arbeit?
Ich bin ja einfach froh, wenn es so weiterläuft wie bisher. Wenn die Leute weiterhin, also vor allem die Kund*innen, weiterhin so viel Freude am Laden haben wie bisher. Und das Wichtigste ist, dass auch ich weiterhin so gerne mache wie jetzt. Konkrete Wünsche und Ziele habe ich wie keine, weil es stetig in Veränderung ist und ich mir immer wieder was Neues einfallen lasse. Aber das passiert meistens sehr, sehr spontan.
Für mich persönlich glaube ich an dieses Entschleunigen. Als Selbstständige die Work-Life-Balance zu finden. Da muss ich noch viel dran arbeiten, und das ist auch okay. Das sind meine Wünsche und Ziele: dass es den Laden gibt, aber auch eine «Mia privat».

Wie wär’s mal mit...
...lauterem und buntem Schmuck auch im Alltag?
Danke an Mia Brunner für das offene Gespräch und den ehrlichen Austausch sowie das Engagement, Leidenschaft und das Leben von echten Begegnungen.
_
von Ada Neguer
am 02.02.2026
Fotos
© Ada Neguer für Wie wär's mal mit
Wer die Bilder weiterverwenden möchte, muss sich die Rechte bei Wie wär’s mal mit einholen.