Die Schweiz applaudiert für Held*innen

«Applaudiere isch lässig. Mir wänd meh geld.» Mit der Aktion «Die Schweiz applaudiert Held*innen» ehren wir Berufsgruppen, die nicht nur jetzt die Welt aufrecht erhalten, Risiken auf sich nehmen, Tag und Nacht mit vollem Einsatz arbeiten und dafür in dieser Zeit ihre Freunde und Familien selten sehen. Seien dies Kassierer*innen, Bauarbeiter*innen, Landwirt*innen, Logistiker*innen, Pfleger*innen, Pädagog*innen, Sozialarbeiter*innen, Mediziner*innen, Logistiker*innen, Apotheker*innen, Bus- und Trämmlifahrer*innen, Forscher*innen, Kinderbetreuer*innen oder die Stadtreinigung - sie alle und noch viele mehr tragen wesentlich zu unserem Alltag bei und kommen für das Wohlergehen der Gesellschaft an ihre Grenzen. Telebasel und Hochparterre haben uns in Zeiten von COVID-19, #StayTheFuckHome und Social Distancing interviewt. Anbei der Dialog. 


Liebe Ana, wie seid ihr auf die Idee für die Aktion «Die Schweiz applaudiert Held*innen» gekommen?
Wir gingen hier dem Bedürfnis unseres nahen Umfelds und unserer Community nach, die sich täglich austauscht. Was im Alltag in der Schweiz als selbstverständlich genommen wurde oder keine Beachtung fand, steht in dieser Krise nun im Rampenlicht. Menschen können Grossartiges leisten, wie es die Berufsgruppen beweisen, die zurzeit vollen Einsatz leisten und dafür selbst viel einstecken müssen. Seien dies Kassierer*innen, Bauarbeiter*innen, Landwirt*innen, Logistiker*innen, Pfleger*innen, Pädagog*innen, Sozialarbeiter*innen, Mediziner*innen, Bus- und Trämmlifahrer*innen oder die Stadtreinigung - sie alle und noch viele mehr tragen wesentlich zu unserem Alltag und Wohlergehen bei. Wichtig ist es, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass die Relevanz dieser Berufsgruppen auch ausserhalb von Krisenzeiten existiert. Virale Videos aus Ländern wie Italien oder Spanien lieferten gute Beispiele, wie Menschen in Not trotz physischer Trennung gemeinsam von ihren Balkonen aus musizieren, singen, tanzen und im Kollektiv so das beste aus der Situation machen können.

Wie kommt die Aktion an?
Sehr positiv. Es haben sich innerhalb eines Tages bereits über 2000 Menschen beim Facebook Event angemeldet, diesen auch via Instagram geteilt, geliked und fleissig kommentiert. Das zeugt von Solidarität und Dankbarkeit. Wenn massenweisse Menschen in der Schweiz gelichezeitig gemeinsam für Held*innen des Alltags klatschen, ist das schön. 

Habt ihr bereits Feedbacks von den betroffenen Berufsgruppen erhalten?
Die Menschen fühlen sich wahrgenommen, freuen sich über Sichtbarkeit und Anerkennung, bedanken sich. In Kommentaren wird fleissig um Berufsgruppen ergänzt, es sind unzählige. Andere fordern finanziell mehr Unterstützung auch nach der Krise, gerade aus dem nun sichtbaren Bedürfnis und der Notwendigkeit der Gesellschaft. «Auch ein riesen Dankeschön an alle Reinigungskräfte, ohne sie wäre es nicht möglich.» oder «Jetzt sehen wir mal, wen es wirklich braucht. Auch in schlechten Zeiten.» sind nur einige der vielen Kommentare. Es ist wichtig, dass man die Berufsgruppen auch nach der Krise im Bewusstsein hat und bessere Bedingungen für diese schafft. Zudem fanden wir auch Aussagen wie «Psychotherapeut*innen! Dankt uns später.» in den Kommentarspalten, und dies zu Recht.


Was ist anders als sonst?
Einerseits ein entschleunigter Alltag, viel Solidarität und mehr Verständnis für ein kollektives Miteinander. Und unserem Planeten, insbesondere dem Klima und der Tierwelt tut die Krise gut. Anderseits ist die Krise zugleich ein medialer Informationsoverload. Alles dreht sich um das Coronavirus, sei es Memes in den sozialen Medien, News oder Alltagsgespräche mit Freund*innen. Das kann einen in den Wahnsinn treiben. Zum Glück gibt es bereits Gegenbewegungen, so genannte Challenges auf Social Media, die den Algorithmus überwältigen und für ein wenig Ablenkung im Alltag sorgen sollen. 

Was geht nicht mehr? Was geht trotzdem?
Physische Nähe zu Mitmenschen, Freizeitaktivitäten wie Museen, Kinos, Gastronomie, Bars, Reisen, Konzerte oder Shops sind Tabu, da bis auf Lebensmittelläden und Apotheken alles geschlossen ist. Online geht dafür einiges, da muss man sich vor allem die guttuenden Perlen rauspicken, um nicht wahnsinnig zu werden. Was jedoch immer geht: Kreativität, Unterhaltungen und Beziehungen mit den Liebsten pflegen. Die Krise wird uns als Menschen prägen und verändern, doch gerade darin besteht eine grosse Chance für Innovation und Umdenken einer Gesellschaft, ihrer sozialen und politischen Strukturen sowie des Menschen als Wesen in einer globalisierten Welt – vor allem darüber, was wir mit unserem Verhalten und Handeln alles anrichten können, sowohl Gutes als auch Schlechtes. Wir sind alle verantwortlich und stehen in Kausalzusammenhang miteinander, das ist sichtbarer denn je.


Was bedeutet die neue Situation für Deine Arbeit als Designerin?
Ich habe das Glück bei Liste Art Fair Basel festangestellt zu sein, das gibt mir ein Gefühl von Sicherheit. Dies war schon immer der Fall, dass ich neben eigenen Projekten einen festen Job hatte. 

Die gute Idee: Welche Spezialmassnahme habt ihr ergriffen?
Den Humor beibehalten ohne den ernst der Lage zu ignorieren. Als Plattform haben wir natürlich das Thema medial aufgegriffen, Austausch gefördert, den Event «Die Schweiz applaudiert Held*innen» angesetzt sowie ein #SeifenBoss Shirt gemacht mit Illustratorin Samira Gollin.
Welchen Beitrag können Designer*innen zur aktuellen Lage leisten?
Nicht die Hoffnung verlieren, sich austauschen und die Lage als Chance und Möglichkeitsraum für Innovation  sehen. Vielleicht besinnt sich der Mensch durch die Notlage mehr auf sein nahes Umfeld zurück, auf lokales Angebot, auf zwischenmenschliche Werte, die wirklich im Leben zählen. Es ist eine Chance für alle Bereiche. Man ist gezwungen umzudenken. Das verunsichert, macht Angst und braucht Zeit, doch der Mensch schafft auch das.

Wie wär’s mal mit...
...einer mutigen, neuen Welt 2020.



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von Ana Brankovic
am 21.03.2020


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