«Fondation Beyeler» Basel: Im Gespräch mit
Associate Curator
Charlotte Sarrazin
Empathisch, progressiv, etwas ungeduldig – so beschreibt sich Charlotte Sarrazin, Associate Curator der «Fondation Beyeler», selbst. Wir haben mit ihr über ihren Arbeitsalltag im Museum, besondere Momente hinter den Kulissen und kleine Fluchten aus dem Arbeitsrhythmus gesprochen.
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Liebe Charlotte, wie würdest du dich in drei Worten beschreiben?
Empathisch, progressiv und manchmal ungeduldig.
Was ist dein Tätigkeitsbereich in der Fondation Beyeler?
Ich arbeite als Associate Curator und begleite Ausstellungsprojekte von der konzeptionellen Phase bis zur finalen Umsetzung. Dabei arbeite ich häufig mit Gastkurator*innen zusammen, die projektbezogen eine Ausstellung am Haus kuratieren. In meiner Zeit in der «Fondation Beyeler» durfte ich an tollen Ausstellungsprojekten mitarbeiten: Piet Mondrian, Jeff Wall, Yayoi Kusama und nun an der Ausstellung zu Pierre Huyghe, die im Mai eröffnen wird. Ich arbeite an inhaltlichen und kunsthistorischen Fragestellungen ebenso wie an der organisatorischen und praktischen Realisierung und bewege mich dabei ständig zwischen unterschiedlichen Themenbereichen. Ein zentraler Teil meiner Tätigkeit ist die Rolle als Projektleiterin. Ich koordiniere dabei die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Teams und Institutionen, insbesondere zwischen Gastkurator*innen, den internen Museumsteams und den Künstler*innen beziehungsweise ihren Studios. Neben der inhaltlichen und kunsthistorischen Arbeit gehören auch organisatorische und praktische Aufgaben dazu. Es geht darum, Konzepte in konkrete Prozesse zu übersetzen, Abläufe zu koordinieren und den Überblick zu behalten – auch dann, wenn sich Dinge kurzfristig verändern.
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Erinnerst du dich an deinen ersten Arbeitstag?
Sehr gut sogar. In meinem Büro lagen rund 25 Ausstellungskataloge von Yayoi Kusama, dazu ein üppiger Blumenstrauss und der Blick in den Park der «Fondation Beyeler». Mein Einstieg war überraschend ruhig: viel Lektüre, Zeit zum Einlesen und Ankommen.
Welche Fähigkeiten sind für deinen Beruf besonders wichtig?
Organisationstalent, Dialogfähigkeit und ästhetisches Gespür.
Welche Ausbildung braucht es für den Beruf Associate Curator?
Ein klassisches Studium der Kunstgeschichte ist ein häufiger Weg, ebenso Kunstwissenschaften oder Curatorial Studies. Auch andere geisteswissenschaftliche Studiengänge können eine gute Grundlage sein.
Für wen eignet sich dein Job besonders?
Für Menschen mit grosser inhaltlicher Neugier und Freude daran, sich intensiv mit Kunst und ihren Kontexten auseinanderzusetzen. Man ist nah an kreativen Prozessen beteiligt und begleitet, wie aus Ideen Ausstellungskonzepte entstehen, die schliesslich räumlich erfahrbar werden. Gleichzeitig geht es darum, Kunst nicht nur wissenschaftlich zu erschliessen, sondern sie auch für ein breites Publikum zugänglich zu machen.
Was hilft dir, ausserhalb der Arbeit abzuschalten?
Zeit in der Natur, vor allem in den Bergen. Dort entsteht für mich eine Art Käseglocke, in der man ganz im Moment sein kann.
Was ist dein Lieblingsort in Basel?
Die Kunsthalle Basel. Ich mag die Architektur und die Atmosphäre sehr und das Restaurant gleich mit.
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Wenn du in einem Kunstwerk aus der Sammlung der Fondation Beyeler leben könntest, welches wäre es?
Der «Moosraum» von Olafur Eliasson. Dieser Raum ist ruhig, abgeschottet und unglaublich sinnlich. Man fühlt sich geborgen, fast wie in einem kleinen Wald. Das wäre ein sehr gutes Habitat.
Was war das Aussergewöhnlichste, das du bei der Arbeit erlebt hast?
Bei der Jeff-Wall-Ausstellung mussten einige Werke ins Museum gekrant werden, weil sie zu gross für die Eingänge waren. Zu sehen, wie Kunstwerke über alternative Wege ins Haus gelangen, war eindrücklich und ehrlich gesagt auch ziemlich spektakulär.
Mit welcher*m Künstler*in würdest du gerne einmal zu Abend essen?
Mit Francis Bacon. Er soll ein extrem spannender Zeitgenosse gewesen sein, sehr wortgewandt und diskussionsfreudig. Ich würde ihn fragen, wie er zum Begriff der Schönheit steht.
Welche Rolle spielen Besuchende für dich im Museum?
Eine zentrale. Museen sind für mich keine abgeschlossenen Orte der Wissensvermittlung, sondern soziale und politische Räume. Besuchende bringen ihre eigenen Erfahrungen und Perspektiven mit und wirken aktiv an der Interpretation der Kunst und Aushandlung von Inhalten mit. Ohne sie würde ein Museum viel von seiner gesellschaftlichen Relevanz verlieren.
Wenn du ein Werkzeug wärst, welches wärst du und warum?
Ein Multitool. Vielseitig einsetzbar und hilfreich in ganz unterschiedlichen Situationen.
Dein Lieblingssnack an anstrengenden Tagen?
Pommes Rot-Weiss. Macht glücklich.
Wovon bräuchte Basel mehr und wovon weniger?
Mehr Petanque-Plätze und weniger Velodiebstähle.
Welche Phase einer Ausstellung findest du am spannendsten?
Den Aufbau. Wenn die Werke ankommen, ausgepackt werden und man viele davon zum ersten Mal im Original sieht. Diese Tage haben eine besondere Energie, weil sich alles fügt, woran man lange gearbeitet hat.
Was ist besonders an der Arbeit mit lebenden Künstler*innen?
Mit lebenden Künstler*innen eine Ausstellung zu planen, ist ein besonders dialogischer und dynamischer Prozess. Im direkten Austausch mit den Künstler:innen und ihren Teams erhält man tiefe Einblicke in ihre jeweiligen Arbeitsweisen, Denkprozesse und konzeptuellen Ansätze. Besonders spannend ist es zu erleben, wie unterschiedlich auf die Räume des Museums reagiert wird. Jede Künstlerin bringt eine eigene Sensibilität für Architektur, Licht, Proportionen und Atmosphäre mit. Manche Arbeiten entstehen in enger Auseinandersetzung mit dem Ort und entwickeln sich spezifisch für die räumlichen Gegebenheiten, andere setzen bewusste Kontraste oder transformieren den Raum auf unerwartete Weise.
Wie wär’s mal mit...
...einem Besuch im Gasthaus «Zum Hirschen» in Egerten, etwa 20 Minuten von Basel entfernt. Ein echter Geheimtipp, in dem auch Hildy und Ernst Beyeler, die Gründer*innen der «Fondation Beyeler», speisten.
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Vielen Dank an Charlotte für die Einblicke in ihren Alltag.
_
von Laura Husi
am 16.02.2026
Fotos
© Levin Schneider für Wie wär's mal mit
Wer die Bilder weiterverwenden möchte, muss sich die Rechte bei Wie wär’s mal mit einholen.

Liebe Charlotte, wie würdest du dich in drei Worten beschreiben?
Empathisch, progressiv und manchmal ungeduldig.
Was ist dein Tätigkeitsbereich in der Fondation Beyeler?
Ich arbeite als Associate Curator und begleite Ausstellungsprojekte von der konzeptionellen Phase bis zur finalen Umsetzung. Dabei arbeite ich häufig mit Gastkurator*innen zusammen, die projektbezogen eine Ausstellung am Haus kuratieren. In meiner Zeit in der «Fondation Beyeler» durfte ich an tollen Ausstellungsprojekten mitarbeiten: Piet Mondrian, Jeff Wall, Yayoi Kusama und nun an der Ausstellung zu Pierre Huyghe, die im Mai eröffnen wird. Ich arbeite an inhaltlichen und kunsthistorischen Fragestellungen ebenso wie an der organisatorischen und praktischen Realisierung und bewege mich dabei ständig zwischen unterschiedlichen Themenbereichen. Ein zentraler Teil meiner Tätigkeit ist die Rolle als Projektleiterin. Ich koordiniere dabei die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Teams und Institutionen, insbesondere zwischen Gastkurator*innen, den internen Museumsteams und den Künstler*innen beziehungsweise ihren Studios. Neben der inhaltlichen und kunsthistorischen Arbeit gehören auch organisatorische und praktische Aufgaben dazu. Es geht darum, Konzepte in konkrete Prozesse zu übersetzen, Abläufe zu koordinieren und den Überblick zu behalten – auch dann, wenn sich Dinge kurzfristig verändern.

Erinnerst du dich an deinen ersten Arbeitstag?
Sehr gut sogar. In meinem Büro lagen rund 25 Ausstellungskataloge von Yayoi Kusama, dazu ein üppiger Blumenstrauss und der Blick in den Park der «Fondation Beyeler». Mein Einstieg war überraschend ruhig: viel Lektüre, Zeit zum Einlesen und Ankommen.
Welche Fähigkeiten sind für deinen Beruf besonders wichtig?
Organisationstalent, Dialogfähigkeit und ästhetisches Gespür.
Welche Ausbildung braucht es für den Beruf Associate Curator?
Ein klassisches Studium der Kunstgeschichte ist ein häufiger Weg, ebenso Kunstwissenschaften oder Curatorial Studies. Auch andere geisteswissenschaftliche Studiengänge können eine gute Grundlage sein.
Für wen eignet sich dein Job besonders?
Für Menschen mit grosser inhaltlicher Neugier und Freude daran, sich intensiv mit Kunst und ihren Kontexten auseinanderzusetzen. Man ist nah an kreativen Prozessen beteiligt und begleitet, wie aus Ideen Ausstellungskonzepte entstehen, die schliesslich räumlich erfahrbar werden. Gleichzeitig geht es darum, Kunst nicht nur wissenschaftlich zu erschliessen, sondern sie auch für ein breites Publikum zugänglich zu machen.
Was hilft dir, ausserhalb der Arbeit abzuschalten?
Zeit in der Natur, vor allem in den Bergen. Dort entsteht für mich eine Art Käseglocke, in der man ganz im Moment sein kann.
Was ist dein Lieblingsort in Basel?
Die Kunsthalle Basel. Ich mag die Architektur und die Atmosphäre sehr und das Restaurant gleich mit.

Wenn du in einem Kunstwerk aus der Sammlung der Fondation Beyeler leben könntest, welches wäre es?
Der «Moosraum» von Olafur Eliasson. Dieser Raum ist ruhig, abgeschottet und unglaublich sinnlich. Man fühlt sich geborgen, fast wie in einem kleinen Wald. Das wäre ein sehr gutes Habitat.
Was war das Aussergewöhnlichste, das du bei der Arbeit erlebt hast?
Bei der Jeff-Wall-Ausstellung mussten einige Werke ins Museum gekrant werden, weil sie zu gross für die Eingänge waren. Zu sehen, wie Kunstwerke über alternative Wege ins Haus gelangen, war eindrücklich und ehrlich gesagt auch ziemlich spektakulär.
Mit welcher*m Künstler*in würdest du gerne einmal zu Abend essen?
Mit Francis Bacon. Er soll ein extrem spannender Zeitgenosse gewesen sein, sehr wortgewandt und diskussionsfreudig. Ich würde ihn fragen, wie er zum Begriff der Schönheit steht.
Welche Rolle spielen Besuchende für dich im Museum?
Eine zentrale. Museen sind für mich keine abgeschlossenen Orte der Wissensvermittlung, sondern soziale und politische Räume. Besuchende bringen ihre eigenen Erfahrungen und Perspektiven mit und wirken aktiv an der Interpretation der Kunst und Aushandlung von Inhalten mit. Ohne sie würde ein Museum viel von seiner gesellschaftlichen Relevanz verlieren.
Wenn du ein Werkzeug wärst, welches wärst du und warum?
Ein Multitool. Vielseitig einsetzbar und hilfreich in ganz unterschiedlichen Situationen.
Dein Lieblingssnack an anstrengenden Tagen?
Pommes Rot-Weiss. Macht glücklich.
Wovon bräuchte Basel mehr und wovon weniger?
Mehr Petanque-Plätze und weniger Velodiebstähle.
Welche Phase einer Ausstellung findest du am spannendsten?
Den Aufbau. Wenn die Werke ankommen, ausgepackt werden und man viele davon zum ersten Mal im Original sieht. Diese Tage haben eine besondere Energie, weil sich alles fügt, woran man lange gearbeitet hat.
Was ist besonders an der Arbeit mit lebenden Künstler*innen?
Mit lebenden Künstler*innen eine Ausstellung zu planen, ist ein besonders dialogischer und dynamischer Prozess. Im direkten Austausch mit den Künstler:innen und ihren Teams erhält man tiefe Einblicke in ihre jeweiligen Arbeitsweisen, Denkprozesse und konzeptuellen Ansätze. Besonders spannend ist es zu erleben, wie unterschiedlich auf die Räume des Museums reagiert wird. Jede Künstlerin bringt eine eigene Sensibilität für Architektur, Licht, Proportionen und Atmosphäre mit. Manche Arbeiten entstehen in enger Auseinandersetzung mit dem Ort und entwickeln sich spezifisch für die räumlichen Gegebenheiten, andere setzen bewusste Kontraste oder transformieren den Raum auf unerwartete Weise.
Wie wär’s mal mit...
...einem Besuch im Gasthaus «Zum Hirschen» in Egerten, etwa 20 Minuten von Basel entfernt. Ein echter Geheimtipp, in dem auch Hildy und Ernst Beyeler, die Gründer*innen der «Fondation Beyeler», speisten.

Vielen Dank an Charlotte für die Einblicke in ihren Alltag.
_
von Laura Husi
am 16.02.2026
Fotos
© Levin Schneider für Wie wär's mal mit
Wer die Bilder weiterverwenden möchte, muss sich die Rechte bei Wie wär’s mal mit einholen.