«Lenk Lodge»: Im Gespräch mit Magdalena Kossmann, Raphael Simcic und Sjanca Oppliger
Die «Lenk
Lodge» ist eine Boutique-Lodge im Berner Oberland, die für persönliche Gastfreundschaft, vegetarische Küche und ein bewusst reduziertes, digitales Konzept steht. Wir sprachen mit Magdalena, Raphael und Sjanca über ehrliche Hotellerie, gutes Essen und darüber, warum Echtheit für sie wichtiger ist als Perfektion.
![]()
Liebe Magdalena, liebe Sjanca, lieber Raphael, wer seid ihr und woher kennt ihr euch?
Wir sind Magdalena Kossmann, Raphael Simcic und Sjanca Oppliger. Magdalena und Raphael haben beide die Hotelfachschule absolviert, Sjanca kommt ursprünglich aus der Bildenden Kunst. Kennengelernt haben wir uns schon früh: Raphael und Sjanca seit der Grundschule, Magdalena und Raphael später während der Schulzeit. Heute sind wir zu dritt Gastgeber:innen in der «Lenk Lodge» – Magdalena und Raphael als Paar, Sjanca als kreative Seele der Küche. Was uns verbindet, sind Vertrauen, ähnliche Werte und die Lust, gemeinsam etwas Eigenes aufzubauen.
![]()
Ihr führt gemeinsam die «Lenk Lodge», wie kam es dazu und was habt ihr davor gemacht?
Alle: Wir haben das Pachtinserat der Lenk Lodge in der Hotelrevue (Fachzeitschrift) gesehen und uns eher aus dem Bauch heraus beworben – ohne grosse Erwartungen. Wir haben es schon immer schön gefunden, einen eigenen Betrieb mit eigenen Ideen zu führen. Wir wollten es aber einfach mal ganz locker angehen und haben nicht gedacht, dass es so weit kommen wird. Dass dann alles so schnell und stimmig zusammenkommen würde, hat uns selbst überrascht. Wir hatten mit dem Haus, aber auch mit dem Besitzer*innenpaar Cortesi unglaublich Glück. Zuvor lebten Magdalena und Raphael in Davos. Magdalena arbeitete in einem Hotel in verschiedenen Positionen, zuletzt im HR. Raphael war und ist nebenbei bei einem kleinen Hotelsoftware-Beratungsunternehmen tätig. Nach der Übernahme im Dezember 2024 war schnell klar, dass wir das Haus weiterentwickeln wollen – inhaltlich und konzeptionell. Da wir Sjanca schon lange kennen, haben wir sie im Sommer 2025 mit ins Boot geholt – vor allem für die Küche und das Restaurant «LUH». Ab da war klar: Das ist mehr als ein Projekt, das ist ein gemeinsamer Weg.
Die «Lenk Lodge» steht für «persönlich, lokal, vegetarisch und digital». Wie lebt ihr diese Haltung im Alltag?
Alle: Persönlich heisst für uns: Begegnung auf Augenhöhe. Wir sind per Du, präsent im Haus und wirklich ansprechbar. Wir begegnen unseren Gästen wie unseren Freunden und Bekannten. Digital heisst für uns, dass wir uns auf das Wesentliche konzentrieren. Wir sind ein kleines Hotel, in dem die Gäste im Vordergrund stehen. Damit wir diese Qualität leisten können, muss im Hintergrund alles sauber funktionieren.
Lokal und vegetarisch – in den Bergen ist dies eine echte Herausforderung. Wir versuchen aufzuzeigen, dass auch in höheren Lagen interessante Pflanzen wachsen, die uns Nahrung bieten können. Dank Tricks wie dem Einlegen oder den Experimenten im eigenen Garten schaffen wir es, ganz neue Geschmackserlebnisse zu schaffen.
![]()
Magdalena, du bist für die Atmosphäre und Gästebetreuung zuständig. Was macht für dich gutes Ankommen aus?
Magdalena: Für mich muss es sich anfühlen, als würde ich in meine eigene vertraute Wohnung eintreten. Aber es braucht noch Überraschungsmomente, da sich die Gäste im Urlaub befinden. Und das entsteht durch viele kleine Dinge: Ordnung, ein stimmiges Licht, Kerzen oder ein Feuer im Kamin, Musik, Blumen. Und vor allem durch eine Atmosphäre, die nicht perfekt sein will, sondern ehrlich und warm. Gutes Ankommen ist für mich dann gelungen, wenn man spürt, dass jemand mit Liebe zum Detail da war.
![]()
Raphael, du verantwortest Strategie und Technologie. Warum ist Digitalisierung in einer Lodge wichtig, und was sind deine persönlichen Top Learnings bzw. Fails?
Raphael: Das Thema ist leider oft kontrovers. Ich versuche hier, einen schönen Mittelweg zu gehen. Wir sind ein kleines Unternehmen, und es steht uns mit dieser Konstellation sehr wenig Spielraum zur Verfügung. Damit wir uns auf unseren wahren Kern fokussieren können, brauchen wir eine stabile Grundlage, die uns den Rücken stärkt. Wir lieben alle das Menschliche an unserem Beruf, weniger aber die Stunden, die wir am PC verbringen. Genau das wird durch intelligente Technologie ersetzt, sodass wir uns mit den Menschen auseinandersetzen können. Mit den modernsten Werkzeugen zu arbeiten, hat die Menschen schon immer weitergebracht, und das ist auch unsere Philosophie. Fails entstehen erst dann, wenn es dem Menschen mehr Nachteile als Vorteile bringt. Und wenn die Menschen dem Tool dienen, statt das Tool dem Menschen. Da braucht es viel Feingefühl.
![]()
Sjanca, du leitest die Küche im Restaurant «LUH». Weshalb der Name und wie würde deiner Meinung nach die «Lenk Lodge» als Menü schmecken?
Sjanca: «LUH» ist eine alte Bezeichnung für eine Waldlichtung – ein Ort, an dem das Licht in den Wald dringt und dem Menschen ein Ort des Zusammenseins schafft.
Die «Lenk Lodge» als Menü würde mit einem frischen, knackigen Salat aus Fenchel, Spitzkohl, Dill und gerösteten Nüssen beginnen: klar, leicht und lebendig.
Als Hauptgang gäbe es langsam geschmorten Rotkohl mit Bramata, verfeinert mit kräftigem Lenker Bergkäse und viel Butter. Durch das lange Schmoren entstehen Tiefe und Umami – bodenständig, saisonal, sorgfältig verarbeitet. Der Käse ist Akzent, nicht Hauptdarsteller.
Zum Dessert ein Apfel-Crumble mit Äpfeln von unserem Baum im Garten, dazu ein Glace aus Feigenblättern. Vertraut und doch überraschend, nicht zu süss, mit einer feinen aromatischen Note.
So schmeckt die «Lenk Lodge» für mich: ehrlich, saisonal, mit Tiefe und kleinen unerwarteten Momenten.
![]()
Wie würdet ihr die Menschen in einem Satz beschreiben, die bei euch zu Gast sind?
Alle: Offene, neugierige Menschen mit Sinn für Qualität, Design und gutes, unkonventionelles Essen – viele davon werden schneller zu Freund*innen, als man denkt.
![]()
Wo hängt ihr sonst so gerne ab, wenn ihr mal nicht in der «Lenk Lodge» seid?
Alle: Wir alle drei haben starke Verbindungen nach Basel und Zürich und schalten in diesen beiden Städten sehr gerne ab mit Freund*innen, gutem Essen, Konzerten und was es sonst noch zu bieten gibt. Während Sjanca am liebsten in der Zürcher Markthalle beim Südhang Wein sitzt und Austern schlürft, chillen Magdalena und Raphael sehr gerne im «Kaphi» Basel, gerade um die Ecke, wo die beiden immer noch eine Mietwohnung haben.
Wenn’s mal ein bisschen weiter weg sein muss, isst die Hardcore-Vegetarierin Magdalena auch ausnahmsweise mal mit Raphael ein Original Wiener Schnitzel im «Meissl & Schadn» in Wien, während Sjanca, Zitat, «den weltbesten Negroni» im Berliner «Café Frieda» geniesst. Ab und zu gibt’s für uns alle auch mal einen Bergtag auf den Skiern, beim Langlaufen und auf dem Velo. Natur gehört für uns alle zum wichtigsten Ausgleich. Magdalena liebt aber auch Yoga und Pilates, Sjanca geht gerne ins Gym, und Raphael verliert sich immer wieder an seinem DJ-Pult und jagt nach dem neuesten Track.
Was war bisher eure prägendste oder überraschendste Erfahrung als Gastgeber*innen?
Alle: Wie schnell sich Menschen bei uns zu Hause fühlen. Gäste fragen, ob sie die Schuhe ausziehen sollen, laufen barfuss durchs Haus oder bleiben einfach sitzen, ohne etwas zu müssen. Und im Restaurant überraschen uns immer wieder die Vergleiche mit sehr bekannten Küchen – und darüber freuen wir uns natürlich sehr.
Wenn es etwas vom Himmel regnen könnte, was wäre das?
Alle: Mehr Zimmer.
Wie wär’s mal mit...
...ankommen, abschalten, Ruhe geniessen und sich dabei von einem vegetarischen Kreativmenü überraschen lassen.
![]()
Vielen Dank an Magdalena, Raphael und Sjanca für die offenen Einblicke und das inspirierende Gespräch.
_
von Ana Brankovic
am 09.03.2026
Fotos
© Ana Brankovic für Wie wär's mal mit
Wer die Bilder weiterverwenden möchte, muss sich die Rechte bei Wie wär’s mal mit einholen.
Liebe Magdalena, liebe Sjanca, lieber Raphael, wer seid ihr und woher kennt ihr euch?
Wir sind Magdalena Kossmann, Raphael Simcic und Sjanca Oppliger. Magdalena und Raphael haben beide die Hotelfachschule absolviert, Sjanca kommt ursprünglich aus der Bildenden Kunst. Kennengelernt haben wir uns schon früh: Raphael und Sjanca seit der Grundschule, Magdalena und Raphael später während der Schulzeit. Heute sind wir zu dritt Gastgeber:innen in der «Lenk Lodge» – Magdalena und Raphael als Paar, Sjanca als kreative Seele der Küche. Was uns verbindet, sind Vertrauen, ähnliche Werte und die Lust, gemeinsam etwas Eigenes aufzubauen.
Ihr führt gemeinsam die «Lenk Lodge», wie kam es dazu und was habt ihr davor gemacht?
Alle: Wir haben das Pachtinserat der Lenk Lodge in der Hotelrevue (Fachzeitschrift) gesehen und uns eher aus dem Bauch heraus beworben – ohne grosse Erwartungen. Wir haben es schon immer schön gefunden, einen eigenen Betrieb mit eigenen Ideen zu führen. Wir wollten es aber einfach mal ganz locker angehen und haben nicht gedacht, dass es so weit kommen wird. Dass dann alles so schnell und stimmig zusammenkommen würde, hat uns selbst überrascht. Wir hatten mit dem Haus, aber auch mit dem Besitzer*innenpaar Cortesi unglaublich Glück. Zuvor lebten Magdalena und Raphael in Davos. Magdalena arbeitete in einem Hotel in verschiedenen Positionen, zuletzt im HR. Raphael war und ist nebenbei bei einem kleinen Hotelsoftware-Beratungsunternehmen tätig. Nach der Übernahme im Dezember 2024 war schnell klar, dass wir das Haus weiterentwickeln wollen – inhaltlich und konzeptionell. Da wir Sjanca schon lange kennen, haben wir sie im Sommer 2025 mit ins Boot geholt – vor allem für die Küche und das Restaurant «LUH». Ab da war klar: Das ist mehr als ein Projekt, das ist ein gemeinsamer Weg.
Die «Lenk Lodge» steht für «persönlich, lokal, vegetarisch und digital». Wie lebt ihr diese Haltung im Alltag?
Alle: Persönlich heisst für uns: Begegnung auf Augenhöhe. Wir sind per Du, präsent im Haus und wirklich ansprechbar. Wir begegnen unseren Gästen wie unseren Freunden und Bekannten. Digital heisst für uns, dass wir uns auf das Wesentliche konzentrieren. Wir sind ein kleines Hotel, in dem die Gäste im Vordergrund stehen. Damit wir diese Qualität leisten können, muss im Hintergrund alles sauber funktionieren.
Lokal und vegetarisch – in den Bergen ist dies eine echte Herausforderung. Wir versuchen aufzuzeigen, dass auch in höheren Lagen interessante Pflanzen wachsen, die uns Nahrung bieten können. Dank Tricks wie dem Einlegen oder den Experimenten im eigenen Garten schaffen wir es, ganz neue Geschmackserlebnisse zu schaffen.
Magdalena, du bist für die Atmosphäre und Gästebetreuung zuständig. Was macht für dich gutes Ankommen aus?
Magdalena: Für mich muss es sich anfühlen, als würde ich in meine eigene vertraute Wohnung eintreten. Aber es braucht noch Überraschungsmomente, da sich die Gäste im Urlaub befinden. Und das entsteht durch viele kleine Dinge: Ordnung, ein stimmiges Licht, Kerzen oder ein Feuer im Kamin, Musik, Blumen. Und vor allem durch eine Atmosphäre, die nicht perfekt sein will, sondern ehrlich und warm. Gutes Ankommen ist für mich dann gelungen, wenn man spürt, dass jemand mit Liebe zum Detail da war.
Raphael, du verantwortest Strategie und Technologie. Warum ist Digitalisierung in einer Lodge wichtig, und was sind deine persönlichen Top Learnings bzw. Fails?
Raphael: Das Thema ist leider oft kontrovers. Ich versuche hier, einen schönen Mittelweg zu gehen. Wir sind ein kleines Unternehmen, und es steht uns mit dieser Konstellation sehr wenig Spielraum zur Verfügung. Damit wir uns auf unseren wahren Kern fokussieren können, brauchen wir eine stabile Grundlage, die uns den Rücken stärkt. Wir lieben alle das Menschliche an unserem Beruf, weniger aber die Stunden, die wir am PC verbringen. Genau das wird durch intelligente Technologie ersetzt, sodass wir uns mit den Menschen auseinandersetzen können. Mit den modernsten Werkzeugen zu arbeiten, hat die Menschen schon immer weitergebracht, und das ist auch unsere Philosophie. Fails entstehen erst dann, wenn es dem Menschen mehr Nachteile als Vorteile bringt. Und wenn die Menschen dem Tool dienen, statt das Tool dem Menschen. Da braucht es viel Feingefühl.
Sjanca, du leitest die Küche im Restaurant «LUH». Weshalb der Name und wie würde deiner Meinung nach die «Lenk Lodge» als Menü schmecken?
Sjanca: «LUH» ist eine alte Bezeichnung für eine Waldlichtung – ein Ort, an dem das Licht in den Wald dringt und dem Menschen ein Ort des Zusammenseins schafft.
Die «Lenk Lodge» als Menü würde mit einem frischen, knackigen Salat aus Fenchel, Spitzkohl, Dill und gerösteten Nüssen beginnen: klar, leicht und lebendig.
Als Hauptgang gäbe es langsam geschmorten Rotkohl mit Bramata, verfeinert mit kräftigem Lenker Bergkäse und viel Butter. Durch das lange Schmoren entstehen Tiefe und Umami – bodenständig, saisonal, sorgfältig verarbeitet. Der Käse ist Akzent, nicht Hauptdarsteller.
Zum Dessert ein Apfel-Crumble mit Äpfeln von unserem Baum im Garten, dazu ein Glace aus Feigenblättern. Vertraut und doch überraschend, nicht zu süss, mit einer feinen aromatischen Note.
So schmeckt die «Lenk Lodge» für mich: ehrlich, saisonal, mit Tiefe und kleinen unerwarteten Momenten.
Wie würdet ihr die Menschen in einem Satz beschreiben, die bei euch zu Gast sind?
Alle: Offene, neugierige Menschen mit Sinn für Qualität, Design und gutes, unkonventionelles Essen – viele davon werden schneller zu Freund*innen, als man denkt.
Wo hängt ihr sonst so gerne ab, wenn ihr mal nicht in der «Lenk Lodge» seid?
Alle: Wir alle drei haben starke Verbindungen nach Basel und Zürich und schalten in diesen beiden Städten sehr gerne ab mit Freund*innen, gutem Essen, Konzerten und was es sonst noch zu bieten gibt. Während Sjanca am liebsten in der Zürcher Markthalle beim Südhang Wein sitzt und Austern schlürft, chillen Magdalena und Raphael sehr gerne im «Kaphi» Basel, gerade um die Ecke, wo die beiden immer noch eine Mietwohnung haben.
Wenn’s mal ein bisschen weiter weg sein muss, isst die Hardcore-Vegetarierin Magdalena auch ausnahmsweise mal mit Raphael ein Original Wiener Schnitzel im «Meissl & Schadn» in Wien, während Sjanca, Zitat, «den weltbesten Negroni» im Berliner «Café Frieda» geniesst. Ab und zu gibt’s für uns alle auch mal einen Bergtag auf den Skiern, beim Langlaufen und auf dem Velo. Natur gehört für uns alle zum wichtigsten Ausgleich. Magdalena liebt aber auch Yoga und Pilates, Sjanca geht gerne ins Gym, und Raphael verliert sich immer wieder an seinem DJ-Pult und jagt nach dem neuesten Track.
Was war bisher eure prägendste oder überraschendste Erfahrung als Gastgeber*innen?
Alle: Wie schnell sich Menschen bei uns zu Hause fühlen. Gäste fragen, ob sie die Schuhe ausziehen sollen, laufen barfuss durchs Haus oder bleiben einfach sitzen, ohne etwas zu müssen. Und im Restaurant überraschen uns immer wieder die Vergleiche mit sehr bekannten Küchen – und darüber freuen wir uns natürlich sehr.
Wenn es etwas vom Himmel regnen könnte, was wäre das?
Alle: Mehr Zimmer.
Wie wär’s mal mit...
...ankommen, abschalten, Ruhe geniessen und sich dabei von einem vegetarischen Kreativmenü überraschen lassen.
Vielen Dank an Magdalena, Raphael und Sjanca für die offenen Einblicke und das inspirierende Gespräch.
_
von Ana Brankovic
am 09.03.2026
Fotos
© Ana Brankovic für Wie wär's mal mit
Wer die Bilder weiterverwenden möchte, muss sich die Rechte bei Wie wär’s mal mit einholen.