«QWSTION» und «Soeder»: Pop-Up Store in Basel

Die beiden Schweizer Brands «QWSTION» und «Soeder» schliessen sich für einen Pop-Up Store in Basel zusammen. Vor Ort gibt es nicht nur zahlreiche tolle Produkte sondern auch Einblicke in Designprozesse sowie einen Showroom. Christian Kaegi von «QWSTION» und Hanna Åkerström von «Soeder» erzählen uns in einem Gespräch mehr über Nachhaltigkeit, die Liebe zum Detail und Materialien sowie zur Zusammenarbeit vor allem in Zeiten von Social Distancing.


Lieber Christian, liebe Hanna, wer seid ihr und was inspiriert euch so im Leben?
Christian: Ich bin mit Werkstatt und Nähmaschine in der Nähe von Zürich aufgewachsen und habe schon als Kind die wildesten Ideen aufskizziert, oft auch gebaut oder eher gebastelt (lacht). Dass sowas mal mein Beruf werden könnte, habe ich erst viel später realisiert und dann Industrial Design studiert. Mich interessieren Materialien, Herstellungsprozesse, kultureller Kontext, Zusammenhänge. All dies spielt in meinem Designverständnis eine Rolle und ich kann mich bei «QWSTION» ständig damit befassen. Hanna und ich haben uns vor mehr als 10 Jahren über gemeinsame Freund*innen kennengelernt, und hatten beide immer Freude an gut gestalteten, sinnvollen Dingen.


Hanna: Ich bin Schweden aufgewachsen, habe aber habe mein ganzes Erwachsenenleben in der Schweiz verbracht. Als 19 Jährige habe ich ein Austauschsemester in der Schweiz gemacht und bin natürlich hängen geblieben. Nach einem Jahr in den Bergen folgten 6 Jahre an der Architekturabteilung der ETH in Zürich. Danach arbeitete ich einige Jahre als Architektin in Zürich, habe einen schwedischen Mann getroffen, Kinder bekommen und nebenbei noch «Soeder» mit ihm gegründet. Ich bin gerne leidenschaftlich kreativ, komme aber leider nicht oft dazu wegen allem anderen im Leben. Meine Tage verbringe ich glücklicherweise mit dem sehr sehr vielfältigen Job bei «Soeder. Der Job ist kreativ, sehr vielfältig und spannend. Freizeit? Das Wort sagt mir schon was, hatte ich früher öfters, bevor mein Leben zusammengeschmolzen ist mit «Soeder». Nun ist «Soeder» das, was wir machen, womit unsere Kinder gross werden und das, was wir im Sommer mit in die Ferien nehmen.


Wie sind «QWSTION» bzw. «Soeder» in Zürich entstanden?
Christian: Ich war auf der Suche nach einer Tasche, welche den Spagat zwischen Funktionalität und zeitlosem Design macht und genauso auf dem Fahrrad überzeugt, wie in einem formelleren Kontext. Verantwortungsvolle Herstellung war für mich immer zwingend und erneuerbare, natürliche Ressourcen sollten die Basis bilden. Auch meine Mitgründer Hannes, Matthias, Fabrice und Sebastian konnten eine solche Tasche nicht finden, weshalb wir uns 2008 daran machten, diese selber herzustellen.

Hanna: Wir haben in 2013 die Firma gegründet und auch den «Soeder» Store aufgemacht. Alles basierte auf unserer Überzeugung, dass zukunftsfähiger Konsum nachhaltig sein muss. Unsere Produkte wurden seither immer langlebig designt, aus nachhaltigen Materialien produziert und in Europa hergestellt.



«QWSTION» – weshalb der Name?

Christian: Wir haben seit Anbeginn stets geltende Normen hinterfragt, um neue Antworten zu finden, da schien uns der Name «QWSTION» passend.


Wie kam es zur Idee «QWSTION» x «Soeder» Pop-Up Store in Basel und was bietet dieser?
Hanna: Wir kennen uns seit langem, schon vor den Zeiten von «QWSTION» und «Soeder». Es ist eine Freundschaft entstanden, die uns verbindet und dazu noch das beidseitige Verständnis für Nachhaltigkeit. Beide Firmen arbeiten auch auf einer freundschaftlichen Basis, es erfüllt uns zur Arbeit zu gehen. Das heisst, dass wir natürlich gerne mit guten Leuten arbeiten und es war nun wieder an die Zeit gemeinsam etwas zu machen.

Christian: Wir wollen mit unserem Temporary Shop zeigen, wie gross das Potential von Pflanzen als Rohstoff für gute Alltagsprodukte ist, und dass man bei vielen Dingen auf Plastik oder andere erdöl-basierte Inhaltsstoffe gänzlich verzichten kann. Zudem bringen wir das Handwerk zurück in die Stadt. Wir verfolgen beide das Ziel eines verantwortungsvollen, nachhaltigen Umgangs mit Ressourcen, wozu ebenso gehört, dass wir im Pop-Up Store Reparaturen, Refills und Recycling anbieten.



Worauf legt ihr persönlich Wert beim Einkaufen von Produkten für den Store bzw. privat?
Hanna: Langlebigkeit und gesunde Rohstoffe. Es ist nur frustrierend, wenn Produkte kaputt gehen vor der eigentlichen Lebenszeit. Sachen wegwerfen tut weh und somit kaufe ich stets für einen langen Zeithorizont ein. Lieber länger auf etwas warten, statt spontan und schnellebig einzukaufen, das ist meine Devise. Für den Store kaufen wir nichts ein, wir designen und produzieren selber oder lassen es bei bekannten Betrieben produzieren.

Christian: Privat kaufe ich generell bei kleinen Läden oder Brands und meide die grossen Konzerne. Die Kleinen sind oft transparenter, was Ressourcen und Lieferketten angeht.


Wo in Basel treibt ihr euch am liebsten rum? 
Hanna: Ich liebe Kunst und da ich selber mit der Arbeit keine Zeit habe, selber etwas zu schaffen, gehe ich gern in Museen. Basel ist ja extrem gut in diesem Bereich. Das neue Kunstmuseum ist traumhaft ebenso Fondation Beyeler, Tinguely, S AM, Schaulager oder Museum der Kulturen – die Aufzählung hört ja nicht auf in Basel. Auch die Architektur in Basel ist etwas, was man sich stundenlang anschauen kann. Der «Soeder» Store war ja früher in einem super schönen Haus von Herzog de Meuron an der Schützenmattstrasse in Basel. Nun sind wir um die Ecke von einem meiner Lieblingsorte von mir, der Jazzcampus von Buol&Zünd Architekten.

Christian: Architektonisch hat Basel wirklich sehr viel zu bieten. Mir gefällt der Mut zum Unkonventionellen. Die Läden in der St. Johanns-Vorstadt sind meine Favoriten, wenn ich etwas brauche, insbesondere Ooid Store und Grimsel.



Und wo in Zürich muss man unbedingt hin, wenn man nicht gerade bei QWSTION oder Soeder einkauft?
Christian: Eine Führung durch die Sammlung des Museums für Gestaltung ist sehr inspirierend, da sind zum Beispiel einzigartige Möbel von LeCorbusier/Perriand/Jeanneret, Willy Guhl und Trix&Robert Haussmann. Im charmanten, kleinen «Coffee» an der Grüngasse ist der Name Programm, aber auch der Brunch am Samstag ist für mich ein Highlight. Für Aperitif gehe ich gerne in die «Gamper-Bar», für radikal saisonal und lokales Essen in die «Wirtschaft im Franz», und für Cocktails in die «Central Bar».

Hanna: Im «Hammam Stadtbad» Zürich kann man sich nach dem Einkaufen sehr schön entspannen. Dann etwas kleines bei «Maison Manesse» essen gehen und sich ein Glas Wein in der Cafe Bar «Meierei» gönnen. So sieht ein traumhafter Tag für mich aus.


Beschreibt eure Kundschaft in 3 treffenden Worten.
Hanna: Fast jedes alter, Geschlecht und Hintergrund. Vor allem mit den Pflegeprodukten stossen wir auf breites Interesse. Im Bad zuhause wie im 5 Sterne Hotel sind wir zu finden.

Christian: Neugierig, verantwortungsvoll, stilbewusst. Ich denke unsere Brands haben beide ein sehr breites Spektrum an Kunden. Teils sind es Menschen, die sehr bewusst einkaufen, und genau wissen wollen, wie das Produkt hergestellt wurde, teils gefallen ganz einfach das Design und die praktischen Aspekte.


Wenn das Jahr 2020 ein Tier wäre welches wäre das und weshalb?
Hanna: Ein Hamster. Wir hatten das Gefühl, dass alles still steht und gleichzeitig sind wir immer schneller gerannt in unserem sich immer schneller drehenden Rad (lacht).

Christian: Ein Blauwal. Mir hat es vor Augen geführt, wie wenig wir Menschen wissen und wie klein wir eigentlich sind.


Welche Atmosphäre findet sich im Pop-Up Store und welche Musik widerspiegelt diese am besten? 
Hanna: Christian, du hast da vielleicht eine gute Antwort? Ich bin nicht so musikalisch. Vielleicht arbeiten deswegen so viele Musiker*innen bei uns, dann muss ich mich nicht mehr um die Musik kümmern (lacht).


Christian: Die Atmosphäre ist auf jeden Fall kreativ und positiv. Die vielen Pflanzen, welche für unsere Produkte ja die erneuerbare Rohstoff-Basis bilden, haben eine sehr beruhigende Wirkung, sind aber gleichzeitig auch vielfältig und raffiniert. «Age of Consent» von New Order bringt das gut rüber.


Wenn ihr 10 Jahre in die Zukunft schaut, was seht ihr?
Beide: Wir machen das Gleiche, aber noch besser und vielleicht anders. Wahrscheinlich sind wir auch in anderen Feldern tätig als nur Taschen, Kosmetika und Kleider. Wir basieren ja unsere Unternehmen auf einer Philosophie und Überzeugung. Dies kann man auf alles übertragen, was uns interessiert. Und es interessiert uns vieles, wir wollen uns weiter entwickeln, das treibt uns an.

Wie wär’s mal mit...
Hanna: Kaffee!
Christian: ...weniger aber besser!



Vielen Dank an Christian und Hanna für die spanennden Einblicke und Projekte rund um die Schweizer Brands «QWSTION» und «Soeder» und auf viele weitere nachhaltige Produkte.


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von Ana Brankovic
am 26.10.2020


Fotos
© Shirin Zaid für Wie wär's mal mit


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