«Studio Moono» Basel: Im Gespräch mit Pati Grabowicz und Celine Pereira

Das Wort «Mono» kommt aus dem Griechischen und «mónos» bedeutet soviel wie Unikat. Weshalb «Studio Moono» jedoch mit zwei «o» geschrieben wird und wie der Vorkurs an der Schule für Gestaltung in Basel sowie die Hochschule für Gestaltung und Kunst der FHNW die beiden in Basel tätigen Gestalter*innen Pati Grabowicz und Celine Pereira unter diesem Namen zusammengeführt haben, erzählen uns die beiden im Gespräch.


Liebe Celine, liebe Pati, wer seid ihr, was ist eure grösste Macke?
Beide: Kennengelernt haben wir uns im Vorkurs 2013 an der Schule für Gestaltung in Basel und studierten danach gemeinsam Visuelle Kommunikation an der HGK. Wirklich zusammengeführt hat uns aber schlussendlich die gemeinsame Leidenschaft für die Gestaltung, zahlreiche Stunden im Fotostudio, der Buchbinderei und in der Siebdruckwerkstatt. Oft war der Pizzakurier die letzte Anlaufstelle, wenn uns um 2 Uhr am Morgen vor lauter Werken dann doch plötzlich das Hungergefühl überrannte. Das ist übrigens auch heute noch eine Macke von uns.

Celine: Aufgewachsen bin ich in der Nähe von Basel und war schon als Kind kreativ unterwegs. Inspiriert hat mich damals meine Grossmutter, die Malerin war. Ich freute mich jedes Mal, wenn sie ihren Holzschrank mit ihren Malutensilien öffnete und ich mit ihr malen durfte. Das war immer etwas ganz Besonderes. Wirklich zum Beruf wurde die Gestaltung erst nach dem Gymnasium in Liestal, als ich ein einjähriges Praktikum als Goldschmiedin absolvierte und danach den Vorkurs und Vorkurs Plus an der Schule für Gestaltung in Basel besuchte. Da wusste ich, dass ich am richtigen Ort und im richtigen Umfeld bin. 2018 habe ich das Studium Visuelle Kommunikation an der HGK abgeschlossen. Heute bin ich sehr vielseitig unterwegs. Neben den gestalterischen Projekten vom «Studio Moono» arbeite ich in der Eventbranche und im Tanzstudio «Movimento» in Basel.


Pati: Ich bin Pati, komme ursprünglich aus Herten, aus dem im Ruhrgebiet in Nordrhein-Westfalen. Dort ging ich mega lange zur Jugendfeuerwehr, fing meine Ausbildung als Krankenschwester an, traf dort Leonardo DiCaprio im Krankenhauslift und sonst fuhr ich sehr viel Motorrad und habe immer gerne durch die Linse einer Kamera geschaut. Das Thema Gestaltung wurde dann erst in der Schweiz zu meinem geliebten Alltag. Gemeinsam mit Celine besuchte ich den zweijährigen Vorkurs in Basel, lernte ganz tolle Menschen kennen und konnte mich in all den wunderbaren analogen Techniken und Handarbeiten in Tiefdruck, Fotografie und Buchbinderei austoben. Die Schweizer Grafik trat in meinen Fokus, das Studium Visuelle Kommunikation an der HGK FHNW wurde zu einem neuen Kapitel mit wunderbaren Begegnungen und dem Schwerpunkt Bild zu meinem geliebten Hauptfach. Im Anschluss habe ich einen sechsmonatigen Zwischenstopp bei Ludovic Balland eingelegt und arbeite derzeit bei der Fondation Beyeler als Assistentin in der digitalen Kommunikation. Seit Januar 2020 bin ich nun auch stolze Besitzerin eines Gestaltungsstudios, mit einer Fotoecke. Mein Schwerpunkt ist das Bild, die Fotografie. Meine Liebe hege ich zu Fotoapparaten jeglicher Art und den Blitzgeräten.



Was ist «Studio Moono» und wie ist es entstanden?
Beide: Auf dem Papier haben wir uns im Januar 2020 gegründet, aber bereits vorher gemeinsame Projekte in unseren Wohnzimmern realisiert. Uns fiel auf: Wir brauchen einen Platz zur Entfaltung. Das «Studio Moono» ist somit ein Ort für kreative Köpfe geworden, ein Raum, welchen wir nutzen, um zusammenzukommen und Projekte im Bereich der visuellen Kommunikation zu kreieren, ein Treffpunkt für Gestalter*innen und ein Platz an dem Kreativität sich ganz entfalten kann. Den Raum möchten wir im Übrigen nicht nur für uns allein nutzen; Mischa Hurdes, begnadete Illustratorin, ist dazugestossen, mit ihr besuchten wir damals auch den Vorkurs an der Schule für Gestaltung Basel. So freuen wir uns immer über Zuwachs von Selbstschaffenden, das regt den Austausch an, lädt zum Biertrinken ein und führt zu tollen Gesprächen.


«Studio Moono» – weshalb der Name?

Beide: Für den Namen und die Gestaltung haben wir schon ein Weilchen gebraucht bis es an einem z’Nacht und bei gutem Wein irgendwann gefunkt hat. Viel hatte auch mit der Schrift zu tun. Uns hat die Kombination aus Bedeutung, Sprache und Form sehr gut gefallen. Das Wort «Mono» kommt aus dem Griechischen und «mónos» bedeutet in Wortzusammensetzungen soviel wie: einzig, einzeln,  ein Unikat. Die angedeutete Doppelung des Buchstaben «o» sind wir Beide, als zwei einzelne Gestalterinnen mit ihren eigenen Schwerpunkten und Stärken, fusionieren jedoch gleichzeitig und ergänzen uns in den Projekten, an denen wir gemeinsam arbeiten.


Für wen oder was habt ihr bereits Konzepte und visuelle Erzeugnisse erstellt? Habt ihr einen Lieblingsauftrag?
Beide: Ob ein Magazin, ein Plakat oder eine Website, unsere Aufträge sind sehr vielfältig und decken ein breites gestalterisches Spektrum ab. Das Schöne ist, dass jedes Projekt einen neuen visuellen und thematischen Aspekt mit sich bringt. Wir lernen übrigens auch immer sehr viel von unseren Kunden – beispielsweise über Augenyoga oder die Zubereitung von orientalischen Gerichten.
Am Liebsten kreieren wir medienübergreifende Konzepte und verbinden unsere Gestaltung im analogen sowie im digitalen Bereich. So facettenreich wie unsere Outputs sind auch unsere Kunden: Neben kulturellen Projekten für Museen, Eventlokale und Institutionen haben wir unter anderem auch Privatkunden aus den Bereichen Produktdesign, Fashion, Möbelschreiner, Yoga, Augenoptik und Catering.


Was wäre euer Traumauftrag?
Pati: Ich selbst würde gerne für diverse Magazine fotografieren wollen. Oder gar als Reporterin um die Welt reisen. Ein Porträt von Benedict Cumberbatch zu schiessen, wäre grandios.

Celine: Ich wünsche mir ein Buchprojekt von eine*r Fotograf*in. Die Semiotik beim Zusammenstellen von Fotos finde ich unglaublich spannend. Ein weiterer Wunsch von mir ist, wieder einmal selber in einer Druckwerkstatt zu stehen. Das handwerkliche Schaffen im Siebdruck, Hockdruck und Tiefdruck finde ich wunderbar.


Beschreibt eure Arbeitsweise in drei treffenden Worten.
Pati: Neugierig, hingebungsvoll, perfektionistisch
Celine: Experimentell, passioniert, medienübergreifend

Worauf legt ihr persönlich Wert bei Grafikdesign und kreativen Prozessen?
Beide: Wir achten sehr auf Details und denken oft über andere Möglichkeiten nach, um nicht die erstbeste Gestaltung zu akzeptieren. Wir geben uns gerne Zeit und überdenken Designs. Mit Abstand zur eigenen Gestaltung und zur kritischen Beobachtung kommen frische Ideen und lassen uns in unserer Kreativität wachsen. Natürlich ist Zeit leider oft eine Seltenheit im täglichen Geschäft. Druck und Abgabestress stehen dem Entstehungsprozess gegenüber.



Mit wem und mit welchen Inhalten arbeitet ihr am liebsten?
Beide: Inhaltlich arbeiten wir mit Vorliebe im kulturellen Bereich. Gestalterisch haben wir in der Kultur gewöhnlich mehr Spielraum, innovative Ideen und der Mut zu besonderen Designs sind häufiger akzeptiert oder gar angesehen.

Pati: Ich arbeite aus diesem Grund gerne mit Celine zusammen, sie bringt eine ganz eigene und angenehme Ruhe in unsere Arbeit mit und verhilft mir aus meiner Unruhe heraus, immer nach dem Besten zu streben. Das schätze ich sehr.

Celine: Pati teilt meine Leidenschaft für Gestaltung. Sie weiss, dass es auch mal Extrarunden und Überstunden braucht bis eine Projekt abgeschlossen werden kann. Ausserdem wird es mit ihrer humorvollen Art nie langweilig. Ich habe bereits unzählige spektakuläre Videos von Pati, welche zusammengeschnitten mindestens die Länge eines Spielfilms einnehmen.


Wo in Basel treibt ihr euch am liebsten rum, wenn ihr gerade mal nicht bei «Studio Moono» tätig seid? 
Celine: Ich geniesse die kulinarische Vielfalt der Restaurants in Basel. Ein Stück Pizza bei «VITO» geht immer! Im Sommer verbringe ich meine Abende gerne mit tollen Menschen, guter Musik und einem Bier am Rhein. Ein absolutes Highlight ist mein Arbeitsweg in Basel. Den kann ich nämlich schwimmend im Rhein machen, wenn mir danach ist.

Pati: Der Rhein ist mein absoluter Lieblingsort, liebend gerne kombiniere ich den Rheinspaziergang mit einem Besuch in der «Cargo Bar». Dabei sehe ich gerne den fliessenden Wassermengen zu. Immer eine Richtung, das beruhigt, im Sommer sorgt es für Abkühlung. Was kann es Schöneres geben?


Die Schweiz als Grafiklandschaft: Beschreibt diese als ein essbares Menü.
Pati: Gehacktes mit Hörnli und Apfelmus. Die Schweiz als Grafiklandschaft ist retro und einfach gut so wie es war, ist und hoffentlich auch bleibt. Ein klassisches Gericht, in der Schlichtheit und Nüchternheit kaum zu übertreffen, vom Handwerk perfekt. Ein Gericht, welches sich gut vermarkten lässt. Ein Grundrezept, nahezu perfekt und super fein und dafür braucht es nur drei Zutaten: Präzision, Schlichtheit und Eleganz.

Celine: Gemüselasagne, vielschichtig und bunt.



Wenn das Jahr 2020 ein Tier wäre, welches wäre das und weshalb?
Pati: Ein Tier wie der Bär, wäre für mich das Jahr 2020. Wenn auch schwierig, wem möchte man dieses Jahr schon als Charakter oder Eigenschaft zuordnen? Und doch charakterisiert der Bär leider ein allgemeines Gesamtgefühl: Der Bär liebt seine Rituale und ist ein ruhender Pol, lebt seine Ungestörtheit und braucht sein eigenes Tempo, um sich entfalten zu können. Denn wehe er fühlt sich getrieben. In seiner Ruhe liegen Stärke und Geschicklichkeit und nicht Langsamkeit und Behäbigkeit. Nimmt man dem Bären diese Ruhe, wird er schnell und aggressiv und holt dich vom Baum, auf den du dich geflüchtet hast. Der Bär ist ein Raubtier, das jedoch meist friedlich durch die Welt spaziert.

Celine: Das Jahr 2020 ist für mich so unvorhersehbar wir die Farben eines Chamäleons und so medienfokussiert wie der Rundblick des Chamäleons.


Wenn ihr zehn Jahre in die Zukunft schaut, was seht ihr?
Pati: Mit Freude habe ich meine Kamerasammlung erweitern können, tolle Fotoprojekte realisiert, einige Workshops in der Street Photography gegeben, meine eigene kleine Ausstellung gefeiert und eine Fotocommunity gegründet.


Celine: Eine eigene Druckwerkstatt? Ein Projekt in Portugal? Vielleicht aber auch etwas ganz anderes.

Wie wär’s mal mit…
...gutem Design oder erfrischenden Fotos? Dann meldet euch, wir freuen uns.



Wir danken Celine und Pati für die spannenden Einblicke in ihre Freundschaft und Zusammenarbeit sowie für die Gestaltung unseres Jahresmagazins im 2020 zum Thema «Gutes Klima». Auf viele weitere tolle Projekte.



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von Ana Brankovic
am 28.12.2020


Fotos
© Ana Brankovic für Wie wär's mal mit
© Diverse Arbeiten: Studio Moono


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